Was ist eine Brustvergrößerung mit Stammzellen? Ein Verfahren, bei dem körpereigenes Fettgewebe mit Stammzellen angereichert und in die Brust injiziert wird. Ziel ist eine natürliche Vergrößerung ohne Implantate – mit verbesserter Einheilrate des Fetts.
Für wen geeignet? Frauen mit moderatem Vergrößerungswunsch (ca. 0,5–1 Körbchengröße pro Sitzung), ausreichenden Fettreserven (BMI ca. 22–28) und dem Wunsch nach einem natürlichen Ergebnis ohne Fremdkörper.
Wichtigste Kontraindikationen: Sehr schlanke Frauen (BMI unter 19), aktive Raucherinnen, Trägerinnen von BRCA-Mutationen sowie Patientinnen mit unrealistischen Erwartungen an das erreichbare Volumen.
Ergebnis: Einheilrate von ca. 70 % (gegenüber ca. 50 % bei konventionellem Eigenfett). Das Endergebnis ist nach 3–6 Monaten stabil und verhält sich wie natürliches Brustgewebe – es passt sich Gewichtsschwankungen an.
Kosten: Ca. 8.000–15.000 Euro (deutlich teurer als konventionelles Eigenfett oder Implantate aufgrund des aufwendigen Stammzell-Isolierungsverfahrens).
Neue Erkenntnisse der Stammzellenforschung ermöglichen Brustvergrößerungen mit einem biologischen Ansatz – ohne Silikon-Implantate und mit minimalen Narben. Dabei kommen Stammzellen zum Einsatz, die aus dem körpereigenen Fettgewebe gewonnen werden. Diese sogenannten ADSCs (Adipose-Derived Stem Cells, auf Deutsch: aus Fett gewonnene Stammzellen) gelten als wichtige Helfer bei der Regeneration von Gewebe.
Das Verfahren wird als Cell-Assisted Lipotransfer (CAL) bezeichnet. Im Unterschied zur einfachen Brustvergrößerung mit Eigenfett wird das Fett hier gezielt mit Stammzellen angereichert. Das Ziel: Eine höhere Überlebensrate der transplantierten Fettzellen und damit ein stabileres, langfristiges Ergebnis.
Bei der Brustvergrößerung mit Stammzellen werden der Patientin nicht einfach nur Stammzellen in die Brüste injiziert. Vielmehr kommt Eigenfett zum Einsatz, welches durch ein spezielles Verfahren mit Stammzellen angereichert wird. Der grundlegende Ablauf ähnelt einer Brustvergrößerung mit Eigenfett – allerdings wird das Eigenfett hier anders aufbereitet.
Der entscheidende Unterschied: Bei konventionellem Lipofilling (Fettübertragung) gehen viele Stammzellen während der Absaugung verloren. Beim CAL-Verfahren wird diese Stammzellpopulation nicht nur wiederhergestellt, sondern auf ein erhöhtes Niveau angehoben – man spricht von "Supercharged Fat" (aufgeladenem Fett).
Stammzellen wirken auf zwei Wegen:
Zunächst steht eine Fettabsaugung an. Ob diese in örtlicher Betäubung (Dämmerzustand) oder in Vollnarkose durchgeführt wird, hängt von der benötigten Fettmenge ab. Da für das CAL-Verfahren sowohl Füllmaterial als auch Material für die Stammzellisolierung benötigt wird, ist das erforderliche Entnahmevolumen deutlich höher als bei konventionellen Methoden.
Bevorzugte Spenderareale sind Regionen mit hoher Fettdichte: der Bauch, die Flanken ("Love Handles"), die Oberschenkelaußenseiten und -innenseiten. Die Wahl des Areals erfolgt in Absprache mit der Patientin – oft kann gleichzeitig eine Körperkonturierung (Body Contouring) an den Problemzonen erreicht werden.
Um die empfindlichen Stammzellen und Fettzellen nicht zu beschädigen, werden atraumatische (schonende) Absaugtechniken eingesetzt:
Wichtig: Methoden, die thermische Energie nutzen (wie Laser-Lipolyse), sind für die Gewinnung von vitalem Transplantatgewebe ungeeignet. Die Hitze schädigt die Zellmembranen und kann die Überlebensrate der Zellen drastisch reduzieren.

Nach der Entnahme wird das Fett aufgeteilt: Ein Teil wird für die spätere Injektion vorbereitet, der andere Teil dient als "Spender" für die Stammzellen. Für die Isolierung gibt es zwei Methoden:
Enzymatische Isolierung: Das Fettgewebe wird mit einem Enzym (Kollagenase) behandelt, das die Zellverbindungen auflöst. Anschließend werden die Zellen durch Zentrifugation getrennt. Diese Methode liefert die höchste Stammzellausbeute, dauert aber intraoperativ (während der OP) etwa 60–90 Minuten.
Mechanische Isolierung: Das Fettgewebe wird durch mechanische Kräfte (z. B. Schütteln oder Zerkleinern) aufbereitet. Diese Methode ist schneller und kostengünstiger, liefert aber eine geringere Stammzellausbeute.
Das gewonnene Zellgemisch – die sogenannte Stromale Vaskuläre Fraktion (SVF) – enthält neben Stammzellen auch Gefäßvorläuferzellen und Immunzellen. Diese "natürliche Mischung" scheint synergistisch zu wirken und bessere Ergebnisse zu liefern als isolierte Stammzellen allein.
Nachdem das Stammzellen-Eigenfett-Gemisch fertig aufbereitet wurde, wird es der Patientin in die Brüste injiziert. Die Injektion erfolgt mit feinen Kanülen durch kleine Einstichstellen – sichtbare Narben entstehen praktisch keine.
Um das Überleben der Zellen zu sichern, muss das Fett in winzigen Portionen (Mikro-Tröpfchen) eingebracht werden. Jedes Tröpfchen muss Kontakt zu durchblutetem Empfängergewebe haben. Große Fettdepots ("Fettseen") führen unweigerlich zum Absterben der Zellen, da Sauerstoff nur wenige Millimeter ins Gewebe diffundieren kann.
Das Fett wird in verschiedene Schichten injiziert:
Durch gezielte Verteilung unterschiedlicher Mengen können auch unterschiedlich große Brüste ausgeglichen und Asymmetrien korrigiert werden.

Besonders geeignet sind Sie, wenn:
Nicht geeignet ist das Verfahren, wenn:
Wichtig: Vor dem Eingriff muss zwingend eine Basismammographie durchgeführt werden, um später auftretende Veränderungen besser beurteilen zu können.
Die wissenschaftliche Evidenz stützt die Überlegenheit des CAL-Verfahrens gegenüber konventionellem Lipofilling:
Voraussetzung für gute Ergebnisse ist, dass die Patientin genügend Eigenfett hat. Sehr schlanke Frauen verfügen über keine ausreichenden Fettdepots für dieses Verfahren.
Pro Sitzung können realistisch 100–200 ml, maximal bis zu 300 ml pro Brust transplantiert werden. Dies entspricht einer Vergrößerung um etwa eine halbe bis eine Körbchengröße.
Eine Überfüllung erhöht den Gewebedruck, komprimiert die Kapillaren und führt zum Absterben des Transplantats.
Unmittelbar nach dem Eingriff sind die Brüste durch Schwellung zunächst deutlich größer als das finale Ergebnis. In den ersten Wochen nimmt das Volumen durch Abschwellung und Resorption ab, bevor das stabile Endergebnis nach 3–6 Monaten sichtbar wird. Dann kann beurteilt werden, ob eine zweite Sitzung gewünscht ist.
Obwohl es sich um ein autologes (körpereigenes) Verfahren handelt, ist die Brustvergrößerung mit Stammzellen nicht risikofrei.
Die kontroverseste Frage lautet: Können Stammzellen Krebs fördern? Stammzellen setzen Wachstumsfaktoren frei und fördern die Durchblutung – Eigenschaften, die auch Tumoren nutzen könnten.
Aktueller Konsens: Das Verfahren gilt als onkologisch sicher für gesunde Frauen. Bei Zustand nach Brustkrebs wird meist ein rezidivfreies Intervall von 3–5 Jahren abgewartet. Langzeitdaten über 10–20 Jahre fehlen jedoch noch, weshalb ein engmaschiges Monitoring wichtig ist.
Die Erholungsphase nach einer CAL-Brustvergrößerung wird oft unterschätzt. Da zwei Körperareale betroffen sind (Brust und Entnahmestellen), ist die Belastung für den Körper nicht trivial.
Auf starke Schwellungen, blaue Flecken und muskelkaterartige Schmerzen an den Absaugarealen sollten sich die Patientinnen einstellen. Die Brust selbst spannt, schmerzt aber meist weniger. Das Tragen von Kompressionswäsche (Mieder) an den Beinen und am Bauch ist Pflicht. Duschen ist oft erst ab dem 2.–3. Tag erlaubt.
Schwellungen gehen langsam zurück. Arbeitsfähigkeit für Bürotätigkeiten ist meist nach einer Woche wiederhergestellt. Wichtig: Kein Druck auf die Brust! Statt eines engen BHs sollten lockere Bustiers oder Yoga-Tops getragen werden. Das Mieder an den Entnahmestellen muss konsequent weitergetragen werden (Tag und Nacht). Leichte Bewegung (Spaziergänge) ist förderlich, aber kein Sport.
Abschluss der Mieder-Tragezeit (meist nach 6 Wochen). Langsamer Beginn mit Sport möglich. Die Brust wird weicher, das endgültige Volumen beginnt sich abzuzeichnen.
Endergebnis: Das Fett, das jetzt noch vorhanden ist, ist dauerhaft eingewachsen. Jetzt kann beurteilt werden, ob eine zweite Sitzung notwendig ist.
Wichtiger Unterschied zu Implantaten: Im Gegensatz zu Implantaten, wo die Brust sofort "fertig" aussieht, ist bei Eigenfett Geduld gefragt. Das Volumen nimmt zunächst ab, bevor das stabile Endergebnis sichtbar wird.
Die Brustvergrößerung rein mit Eigenfett ist eine weitere Option. Die Aufbereitung des Fetts ist weniger aufwendig, was zu einer Kostenersparnis führt. Allerdings liegt die Einheilrate niedriger (ca. 48 % gegenüber ca. 70 % bei CAL), weshalb häufiger eine zweite Sitzung nötig ist.
Bei einer Brustvergrößerung mit Brustimplantaten ist eine Vollnarkose erforderlich. Vorteile: vorhersehbare Größe, sofortiges Ergebnis, auch für sehr schlanke Frauen geeignet. Nachteile: Fremdkörpergefühl, Risiko von Kapselfibrose, notwendiger Austausch nach 10–20 Jahren, längerer Heilungsprozess, mögliche Nervenverletzungen.
Eine Kombination aus einem kleineren Implantat und Eigenfett. Das Implantat gibt das Kernvolumen, das Fett wird darüber gelegt, um die Ränder zu kaschieren, das Dekolleté aufzupolstern und die Weichteilbedeckung zu verbessern. Diese Methode kombiniert die Vorteile beider Verfahren.
Die Kosten für die Brustvergrößerung mit Stammzellen sind aufgrund des aufwendigen Verfahrens deutlich höher als bei anderen Methoden.
| Verfahren | OP-Dauer | Besonderheiten | Kosten (ca.) |
|---|---|---|---|
| Silikonimplantate | 1–1,5 Stunden | Sofortiges, vorhersehbares Ergebnis | 5.000–8.000 € |
| Konventionelles Eigenfett | 2–3 Stunden | Geringere Einheilrate (ca. 48 %) | 4.000–8.000 € |
| Stammzell-Eigenfett (CAL) | 3–4+ Stunden | Höhere Einheilrate (ca. 70 %), Labor-Isolierung | 8.000–15.000 € |
Die höheren Kosten beim CAL-Verfahren entstehen durch die längere OP-Dauer, die teuren Isolations-Kits für die Stammzellgewinnung und den zusätzlichen Personalaufwand (Labor-Assistenz).
Finanziell lohnt sich CAL vor allem dann, wenn durch die höhere Einheilrate eine ansonsten notwendige zweite Operation vermieden werden kann. Ist die gewünschte Größe ohnehin nur in zwei Schritten erreichbar, könnte zweimal konventionelles Lipofilling ökonomisch sinnvoller sein als zweimal CAL.
| Info | Antwort |
|---|---|
| OP-Dauer | 3 bis 4+ Stunden (inkl. Fettabsaugung und Stammzellisolierung) |
| Narkose | Lokale Betäubung bei kleinen Mengen, Vollnarkose bei größeren Fettentnahmen |
| Klinikaufenthalt | Meist ambulant, bei umfangreicher Fettabsaugung 1 Nacht stationär möglich |
| Narben | Minimal – nur kleine Einstichstellen der Kanülen |
| Schmerzen | Mäßig an den Absaugarealen (muskelkaterartig), Brust spannt leicht |
| Aktivitäten | Sport frühestens nach 4–6 Wochen |
| Arbeits-/Gesellschaftsfähigkeit | Nach etwa 7–10 Tagen (Bürotätigkeit) |
| Kompressionskleidung | Mieder an Entnahmestellen für 6 Wochen Tag und Nacht |
| BH | Erst nach ca. 3 Wochen, vorher lockere Bustiers |
| Endergebnis sichtbar | Nach 3–6 Monaten (initiale Schwellung und Resorption abgeschlossen) |
| Einheilrate | Ca. 70 % (gegenüber ca. 48 % bei konventionellem Eigenfett) |
| Volumenzunahme pro Sitzung | Ca. 0,5–1 Körbchengröße (100–200 ml pro Brust) |
| Haltbarkeit | Dauerhaft (eingewachsenes Fett verhält sich wie natürliches Brustgewebe) |
| Kosten | 8.000–15.000 Euro (Selbstzahler, keine Kassenleistung) |
| Ideale Kandidatin | BMI 22–28, moderater Vergrößerungswunsch, realistische Erwartungen |
| Wichtigste Kontraindikationen | BMI unter 19, aktives Rauchen, BRCA-Mutation, Wunsch nach extremer Vergrößerung |
Die Brustvergrößerung mit Stammzellen ist ein hochspezialisiertes Verfahren für eine selektierte Patientengruppe. Sie bietet eine faszinierende biologische Lösung für den Volumenaufbau ohne Fremdkörper – aber keine universelle Lösung für jeden Wunsch.
Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung:
Ein seriöser Arzt wird Sie auch von der Operation abraten, wenn er sie für ungeeignet hält. Das ist ein Zeichen von Qualität und Erfahrung.
aktualisiert am 22.01.2026