Was ist eine Krampfaderoperation? Ein chirurgischer oder minimalinvasiver Eingriff zur Behandlung von erweiterten, oberflächlichen Venen (Varizen). Ziel ist die Beseitigung des krankhaften Blutrückflusses, um Beschwerden zu lindern und Folgeschäden wie Hautveränderungen oder offene Beine zu verhindern.
Für wen geeignet? Für Patienten mit symptomatischen Krampfadern, bei denen konservative Maßnahmen (Kompressionsstrümpfe, Medikamente) nicht ausreichend helfen. Nicht geeignet bei arterieller Verschlusskrankheit, akuter tiefer Venenthrombose oder in der Schwangerschaft.
Wichtigste Verfahren: Klassisches Stripping (operative Entfernung), endovenöse Lasertherapie (EVLT), Radiofrequenzablation (RFA), VenaSeal™ (Venenkleber) und mechanochemische Ablation (ClariVein®). Die Wahl hängt von Venengröße, Verlauf und individuellen Faktoren ab.
Dauer & Ablauf: 30 Minuten bis 1,5 Stunden, meist ambulant. Stripping erfordert Vollnarkose oder Spinalanästhesie, moderne Katheterverfahren nur örtliche Betäubung.
Ergebnis: Die Behandlungsergebnisse sind langfristig sehr gut. Die Rezidivrate (erneutes Auftreten) liegt je nach Verfahren bei 10–35 % innerhalb von 5–10 Jahren. Eine venenbewusste Lebensführung mit viel Bewegung ist die wichtigste Vorbeugung.
Bei Krampfadern (medizinisch: Varizen) handelt es sich um krankhaft erweiterte oberflächliche Venen, die meist an den Beinen auftreten. Das Venensystem transportiert sauerstoffarmes Blut zum Herzen zurück. Dabei sorgen Venenklappen als eine Art Rückschlagventil dafür, dass das Blut nicht wieder nach unten sackt. Funktionieren diese Klappen nicht mehr richtig, staut sich das Blut und die Venen weiten sich – sichtbare Krampfadern entstehen.
Eine Krampaderoperation kann Abhilfe schaffen. Unter diesem Begriff versteht man unterschiedliche Verfahren, die das Ziel haben, die Krampfadern zu behandeln.
Ursächlich ist meist eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche, die dazu führt, dass sich der Venendurchmesser vergrößert und die Klappen nicht mehr vollständig schließen können. Weitere Risikofaktoren sind häufiges und langes Stehen im Beruf, Bewegungsmangel, Übergewicht und Schwangerschaften. Auch das Alter spielt eine Rolle: Mit zunehmendem Lebensalter verliert das Bindegewebe an Elastizität.
Die Beschwerden reichen von Schweregefühl und Spannungszuständen über geschwollene Knöchel bis hin zu nächtlichen Wadenkrämpfen. Ohne Behandlung kann sich eine chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) entwickeln, die zu dauerhaften Hautveränderungen und im schlimmsten Fall zu schlecht heilenden Unterschenkelgeschwüren (Ulcus cruris venosum) führt. Eine Krampfaderoperation ist daher in den meisten Fällen nicht nur eine kosmetische, sondern eine medizinisch notwendige Maßnahme.
Die Behandlung des Krampfaderleidens hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Neben dem klassischen Venenstripping stehen heute mehrere minimalinvasive Verfahren zur Verfügung, die oft ambulant und in örtlicher Betäubung durchgeführt werden können. Zudem gibt es venenerhaltende Operationsverfahren wie die CHIVA-Methode und die Valvuloplastie, bei denen die Venen im Körper verbleiben und lediglich vom Blutkreislauf abgetrennt werden.
Bei leichten Krampfadern oder wenn eine Operation nicht möglich ist, kann eine Kompressionsbehandlung die Beschwerden lindern. Durch straffes Wickeln oder das Tragen von Kompressionsstrümpfen wird der Druck auf die Venen erhöht, was den Blutrückfluss zum Herzen unterstützt. Diese Behandlung beseitigt die Krampfadern nicht, kann aber das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
Neben der Kompressionsbehandlung sind Bewegung und Lebensstil wichtig. Gehen, Radfahren oder Schwimmen aktivieren die Muskelpumpe und den Rückfluss des venösen Blutes zum Herzen. Langes Stehen oder Sitzen sollte dagegen vermieden werden. Kälte-Anwendlungen, wie Kneipp-Anwendungen, können die Venenfunktion verbessern. Gegen die Beschwerden können pflanzliche Präparate wie Rosskastanienextrakt oder Mäusedorn eingesetzt werden.
Die konservativen Maßnahmen verlangsamen die Erkrankung. Wenn die konservativen Maßnahmen nicht anschlagen, müssen die Krampfadern operativ oder minimal-invasiv behandelt werden:
Das Venenstripping nach Babcock ist seit über 100 Jahren etabliert und in Deutschland bis heute die am häufigsten eingesetzte Methode zur Behandlung von Krampfadern an den Stammvenen. Dabei wird die erkrankte Vene mit Hilfe einer biegsamen Sonde über kleine Hautschnitte herausgezogen. Der Eingriff beginnt mit der sogenannten Krossektomie: Über einen Schnitt in der Leiste (bei der großen Rosenvene) oder der Kniekehle (bei der kleinen Rosenvene) wird die Einmündungsstelle der oberflächlichen Vene in das tiefe Venensystem freigelegt und alle Seitenäste in diesem Bereich unterbunden.
Stadiengerechtes Teil-Stripping: Die Einführung des Gefäß-Ultraschalls zeigte, dass die große Rosenvene nur bei wenigen Patienten auf ganzer Länge erweitert ist. Deshalb hat sich seit Anfang der 1980er Jahre das stadiengerechte Stripping etabliert: Es werden nur die erkrankten Abschnitte der Vene entfernt. Gesunde Teile bleiben erhalten und können gegebenenfalls für andere Eingriffe verwendet werden, z.B. für eine Bypass-Operation am Herzen.
Weitere schonende Weiterentwicklungen sind das Endo-Stripping (invaginiertes Stripping), bei dem die Vene durch sich selbst herausgezogen wird, und die Kryochirurgie (Vereisung). Beim Kryostripping wird die Venenwand an eine Kältesonde gefroren, was ein gezielteres Entfernen ermöglicht und das Risiko für Nervenverletzungen und Blutergüsse reduziert.
Das Stripping kann in Tumeszenzanästhesie (örtliche Betäubung), Rückenmarksnarkose (Spinalanästhesie) oder Vollnarkose durchgeführt werden. Die Wahl hängt vom Ausmaß des Eingriffs, dem Gesundheitszustand und den Wünschen des Patienten ab. Um Blutergüsse zu minimieren, kann die Operation in sogenannter Blutleere erfolgen: Das Blut wird durch Kompression aus dem Bein gepresst und eine Druckmanschette am Oberschenkel verhindert den Bluteinstrom während des Eingriffs.
Die Mini-Phlebektomie nach Várady (auch Häkeltechnik genannt) dient der Entfernung von Krampfadern an den Seitenastvenen und größeren Netz-Krampfadern. Über kleinste Hautschnitte (Stiche) von nur 1–2 mm werden die Venen mit einem feinen Instrument gefasst, das einer Häkelnadel ähnelt, und herausgezogen. Diese Methode wird häufig direkt im Anschluss an ein Stripping der Stammvene durchgeführt – der Chirurg kombiniert dann beide Verfahren in einem einzigen Eingriff. Alternativ können erweiterte Seitenäste auch mit einer Verödung behandelt werden. Für die alleinige Mini-Phlebektomie genügt in der Regel eine örtliche Betäubung.
Bei der Verödung wird ein Medikament in die betroffene Vene gespritzt, das die Gefäßwand reizt und zum Verkleben bringt. Die Schaumverödung ist eine Weiterentwicklung, bei der das Verödungsmittel mit Luft aufgeschäumt wird und so besser wirkt. Diese Methode eignet sich vor allem für kleine bis mittelgroße Venen und Besenreiser, bei großen Stammvenen ist sie weniger erfolgversprechend.
Der Wirkstoff Polidocanol ist in Deutschland aktuell (Stand 2026) der einzige Wirkstoff, der zur Verödung von Krampfadern zugelassen ist. Er führt zu einer Reizung der Veneninnenwand. Dadurch kommt es zu einer Entzündung derselben. Als Folge der Behandlung schrumpft die Vene ("verödet") einige Wochen nach der Behandlung.
Nach der Behandlung können im Verlauf der ehemaligen Krampfader bräunliche Flecken enstehen. Diese Risiko ist häufig (bei ca. 15% der Behandlungen). Sonneneinstrahlung steigert das Risiko dieser Komplikation und sollte nach einer Behandlung vermieden werden.
Bei diesem Verfahren wird eine dünne Laserfaser unter Ultraschallkontrolle bis kurz unter die Einmündungsstelle der Stammvene vorgeschoben. Während des langsamen Rückzugs gibt die Faser Laserenergie ab, die das Blut und die Venenwand auf etwa 80–100 °C erhitzt. Das führt zu einer Schrumpfung und zum dauerhaften Verschluss des Gefäßes. Moderne Radialfasern strahlen die Energie kreisförmig ab, was die Behandlung schonender macht und postoperative Schmerzen sowie Blutergüsse minimiert. Die langfristigen Verschlussraten liegen bei über 95 %.
Die Radiofrequenzablation funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie der Laser, nutzt aber hochfrequenten Strom zur Wärmeerzeugung. Ein spezieller Katheter mit einem Heizelement erwärmt die Vene segmentweise auf etwa 120 °C. Studien zeigen, dass dieses Verfahren oft mit noch weniger Schmerzen und einer geringeren Rate an Hautverfärbungen verbunden ist als die Lasertherapie.
Beiden thermischen Verfahren ist gemeinsam, dass eine sogenannte Tumeszenzanästhesie erforderlich ist: Dabei wird ein großes Volumen einer verdünnten Betäubungslösung um die Vene herum injiziert. Diese Flüssigkeit betäubt nicht nur den Bereich, sondern schützt auch das umliegende Gewebe vor der Hitze und drückt die Vene auf den Katheter, was den Wärmeübertrag verbessert.
Das VenaSeal™-Verfahren ist eine der neuesten Entwicklungen und arbeitet ohne Hitze. Ein spezieller medizinischer Klebstoff auf Cyanoacrylat-Basis wird über einen Katheter in die Vene eingebracht. Die Vene wird anschließend von außen komprimiert und verklebt dauerhaft. Da keine Hitze entsteht, ist keine Tumeszenzanästhesie nötig – nur die Einstichstelle wird betäubt. Ein wesentlicher Vorteil: Nach diesem Eingriff ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen oft nicht erforderlich, und das Risiko für Nervenverletzungen sinkt gegen Null.
Die ClariVein®-Methode kombiniert zwei Wirkprinzipien: Eine rotierende Katheterspitze raut die Gefäßinnenwand mechanisch auf, während gleichzeitig ein Verödungsmittel eingespritzt wird. Durch die Kombination kann das Sklerosierungsmittel tiefer in die Venenwand eindringen und wirkt effektiver. Auch dieses Verfahren ist nahezu schmerzfrei und benötigt keine großflächige Betäubung.
Welches Verfahren ist das richtige? Die Wahl der Behandlungsmethode hängt von verschiedenen Faktoren ab: Durchmesser und Verlauf der betroffenen Venen, Vorerkrankungen, individuelle Wünsche des Patienten und nicht zuletzt die Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Der Arzt entscheidet nach einer gründlichen Ultraschalluntersuchung, welches Verfahren medizinisch am sinnvollsten ist. Bei sehr großen, stark geschlängelten Venen oder nach Voroperationen kann das klassische Stripping die bessere Wahl sein, während moderne Katheterverfahren bei geeigneten Patienten zahlreiche Vorteile bieten.
Vorteile der Stripping-Operation: Das Venenstripping ist eine seit Jahrzehnten bewährte Methode, deren Wirksamkeit und Sicherheit in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt ist. Da außer sehr kleinen Krampfadern alle Varizenformen operativ entfernt werden können, ist meist nur ein Behandlungstermin notwendig. Die Krampfader ist direkt nach dem Eingriff beseitigt – bei den endovenösen Verfahren kann es einige Wochen dauern, bis sich die erweiterte Vene vollständig verschlossen hat. Die Kosten werden von allen Krankenkassen übernommen.
Nachteile der Stripping-Operation: Nach dem Eingriff sind Schmerzen, Schwellungen und Blutergüsse vergleichsweise häufig. Die Gefahr von Nervenverletzungen ist beim Stripping höher als bei anderen Methoden. Die Operation wird meist in Teil- oder Vollnarkose durchgeführt, was gewisse Risiken birgt. Die Hautschnitte hinterlassen kleine Narben. Bei Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten müssen diese im Vorfeld abgesetzt werden.
Ob eine Venenoperation die beste Option ist, sollten Patienten ausführlich mit einem Venenspezialisten (Phlebologen) besprechen. Bei Unsicherheiten ist es sinnvoll, eine zweite Meinung einzuholen.
Eine Krampfaderoperation sollte nicht durchgeführt werden bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK, auch „Raucherbein" genannt), einer akuten oder nicht ausgeheilten tiefen Venenthrombose oder bei starken Schwellungen, etwa während einer Schwangerschaft. In diesen Fällen muss zunächst die Grunderkrankung behandelt werden.
Jeder operativen oder endovenösen Behandlung geht eine gründliche Diagnostik voraus. Der Goldstandard ist die farbkodierte Duplexsonographie (Ultraschall), mit der der Arzt den Blutfluss sichtbar machen und Refluxstellen – also undichte Venenklappen – genau lokalisieren kann. Dabei muss auch sichergestellt werden, dass das tiefe Venensystem durchgängig ist, da dieses nach der Behandlung die Funktion der entfernten oberflächlichen Venen mit übernehmen muss.
Ihr behandelnder Arzt wird Sie ausführlich über den geplanten Eingriff und alle notwendigen Vorbereitungen informieren. Folgende Punkte sind besonders wichtig:
Die Art der Betäubung hängt vom gewählten Verfahren und dem Ausmaß des Eingriffs ab.
Für die Mini-Phlebektomie genügt in der Regel eine einfache Lokalanästhesie. Das klassische Stripping kann heute ebenfalls in Tumeszenzanästhesie (einer speziellen Form der örtlichen Betäubung) durchgeführt werden; alternativ kommen eine Rückenmarksnarkose (Spinalanästhesie) oder eine Vollnarkose zum Einsatz.
Moderne endovenöse Verfahren wie Laser, Radiofrequenz, VenaSeal™ oder ClariVein® erfolgen typischerweise in Tumeszenzanästhesie oder lokaler Betäubung und sind damit ambulant gut durchführbar. Welches Betäubungsverfahren gewählt wird, hängt vom Gesundheitszustand und den Wünschen des Patienten ab. Besprechen Sie die für Sie beste Option mit Ihrem Narkosearzt (Anästhesisten).
Beim klassischen Stripping werden zunächst über einen Schnitt in der Leiste oder Kniekehle alle Seitenäste an der Einmündungsstelle (Krosse) unterbunden. Anschließend wird eine Sonde durch die kranke Vene geschoben und diese herausgezogen. Je nach Ausdehnung der Krampfadern sind kleine Schnitte an verschiedenen Stellen nötig, um auch Seitenastvarizen zu entfernen. Die Operation dauert etwa 30 Minuten bis 1,5 Stunden.
Bei den endovenösen Katheterverfahren (Laser, Radiofrequenz, VenaSeal™, ClariVein®) wird die Vene nicht herausgezogen, sondern von innen verschlossen. Unter Ultraschallkontrolle wird ein dünner Katheter über einen kleinen Einstich in die Vene eingeführt und bis zur Einmündungsstelle vorgeschoben. Dann wird der Katheter langsam zurückgezogen, während die Vene durch Hitze (Laser/Radiofrequenz), Klebstoff (VenaSeal™) oder die Kombination aus mechanischer Reizung und Verödungsmittel (ClariVein®) verschlossen wird. Der Körper baut die verschlossene Vene in den folgenden Wochen bis Monaten ab.
Gut zu wissen: Die Entfernung oder der Verschluss der oberflächlichen Venen hat keine negativen Auswirkungen auf die Durchblutung des Beines, da das tiefe Venensystem etwa 90 % des Bluttransports übernimmt und diese Aufgabe vollständig kompensieren kann.
Ambulant oder stationär? Venenstripping und Mini-Phlebektomie werden heute in der Regel ambulant durchgeführt. Das heißt, der Patient kommt am vereinbarten Operationstermin zum Venenspezialisten und geht am selben Tag wieder nach Hause. Die Kosten für eine stationäre Krampfader-Operation im Krankenhaus übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur noch, wenn der Patient unter schweren Begleiterkrankungen leidet.
Krampfaderoperationen gehören zu den häufigsten und sichersten chirurgischen Eingriffen überhaupt. Dennoch können wie bei jeder Operation Komplikationen auftreten:
Hämatome und Blutergüsse: Nach einem Stripping sind Blutergüsse entlang des Beines fast unvermeidlich. Sie bilden sich aber in der Regel innerhalb von drei bis vier Wochen vollständig zurück. Bei den Katheterverfahren treten sie deutlich seltener auf.
Verhärtungen: Blutergüsse unter der Haut können sich als Verhärtungen tasten lassen. Diese verschwinden meist innerhalb weniger Monate von selbst.
Nervenverletzungen und Gefühlsstörungen: Der Nervus saphenus und andere kleine Hautnerven verlaufen in unmittelbarer Nähe zu den Stammvenen. Eine Verletzung kann zu Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Brennschmerzen führen. Beim Stripping kommen solche Beschwerden häufiger vor als bei thermischen Verfahren, bei denen die Tumeszenzlösung einen gewissen Schutz bietet. Meist bilden sich die Gefühlsstörungen innerhalb von Wochen bis Monaten zurück.
Wundheilungsstörungen: Besonders wenn eine Infektion auftritt, kann die Heilung der Wunde verzögert sein. Durch sorgfältige Wundpflege und Hygiene lässt sich das Risiko minimieren.
Lymphstau: Im Leistenbereich verlaufen dünne Lymphbahnen, die beim Stripping von Stammvenen zwangsläufig beschädigt werden können. Dies führt zu einem Lymphstau und einer Schwellung des Beins, die in der Regel nur vorübergehend ist. In manchen Fällen sind zeitweise Lymphdrainagen erforderlich.
Thrombose und Lungenembolie: Das Risiko einer tiefen Venenthrombose ist selten (unter 1 %), aber eine gefährliche Komplikation. Durch die frühzeitige Mobilisation nach dem Eingriff wird dieses Risiko gesenkt. Bei Patienten mit erhöhtem Thromboserisiko, die sich einer ausgedehnten Krampfader-OP unterziehen, wird eine vorübergehende Thromboseprophylaxe mit gerinnungshemmenden Medikamenten (Heparinspritzen) empfohlen. Frauen, die die Pille nehmen, und Raucher haben ein erhöhtes Risiko.
Hautveränderungen: Bei thermischen Verfahren können in seltenen Fällen Hautverbrennungen oder bleibende Pigmentierungen (Verfärbungen) auftreten, besonders wenn die behandelte Vene sehr oberflächlich verläuft.
Nachblutungen: Nachblutungen können vorkommen, lassen sich aber meist durch einen Druckverband beherrschen.
Die Nachbehandlung ist entscheidend für den langfristigen Erfolg und die Vermeidung von Komplikationen. Ein zentraler Grundsatz der modernen Phlebologie lautet: Sofortige Mobilisation. Langes Liegen erhöht das Thromboserisiko.
Merken Sie sich: Laufen und Liegen ist gut – Sitzen und Stehen ist schlecht. Vermeiden Sie langes Stehen und Sitzen mit herabhängenden Beinen. Legen Sie die Beine beim Sitzen hoch und gehen Sie viel spazieren. Bereits am ersten Tag nach dem Eingriff sollten Sie regelmäßige kurze Spaziergänge unternehmen. In der ersten Woche werden mindestens vier Spaziergänge von je 20 Minuten pro Tag empfohlen.
Nach einem Venenstripping ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen (Kompressionsklasse II) für mindestens zwei bis vier Wochen erforderlich. In der ersten Woche sollten Sie den Strumpf Tag und Nacht tragen, danach nur noch tagsüber. Bei endovenösen Verfahren reicht oft eine Woche Kompression aus. Nach dem VenaSeal™-Verfahren sind Kompressionsstrümpfe häufig gar nicht nötig.
Bewegung ist von Anfang an erlaubt und erwünscht – aber nicht übertreiben. Leichte sportliche Aktivitäten wie Walking, Wandern oder gemütliches Radfahren sind ab der zweiten Woche nach der Operation erlaubt. Joggen, Golf oder Tennis können nach etwa drei Wochen wieder aufgenommen werden. Nach vier Wochen können sich die meisten Patienten wieder ohne Einschränkungen sportlich betätigen. Schwimmen sollten Sie meiden, bis alle Wunden vollständig abgeheilt sind. Mit Saunagängen sollten Sie vier bis sechs Wochen warten, da Hitze die Venen weiten kann.
Die Wunden werden heute meist mit wasserdichten Folien oder speziellen Pflastern versorgt, sodass Duschen bereits nach 24 bis 48 Stunden möglich ist. Bei der Stripping-OP werden die Fäden nach etwa 10 Tagen gezogen. Diesen Termin nutzt der Arzt auch, um zu prüfen, ob Komplikationen auftreten. Eine weitere Kontrolluntersuchung mittels farbkodierter Duplex-Sonografie sollte zwei bis drei Monate nach dem Eingriff erfolgen. Dabei prüft der Phlebologe das Ergebnis der Operation und kann frühzeitig erkennen, ob sich neue Krampfadern anbahnen.
Wie lange Patienten nach der OP krankgeschrieben werden, hängt vom ausgeübten Beruf und dem Heilungsverlauf ab. Bei problemlosem Verlauf kann ein Büroangestellter bereits nach zwei Tagen an den Schreibtisch zurückkehren, während körperlich arbeitende Menschen länger brauchen. Grob kalkulieren können Sie mit etwa einer Woche Krankschreibung.
Wichtig zu wissen: Unmittelbar nach der Operation dürfen Sie unter keinen Umständen ein Fahrzeug steuern. Die Nachwirkungen der Narkose oder auch nur der örtlichen Betäubung können Ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Lassen Sie sich abholen oder nehmen Sie ein Taxi.
Die Langzeitprognose nach einer Krampfaderbehandlung ist heute sehr gut. Die meisten Patienten sind mit dem Ergebnis zufrieden – sowohl was die Linderung der Beschwerden als auch das kosmetische Ergebnis betrifft. Studien zeigen, dass sowohl das klassische Stripping als auch die thermischen Verfahren (Laser, Radiofrequenz) vergleichbare Ergebnisse hinsichtlich der klinischen Besserung und der Lebensqualität liefern.
Keine Methode garantiert jedoch die lebenslange Freiheit von Krampfadern. Die Bindegewebsschwäche, die zur Entstehung der Krampfadern geführt hat, bleibt bestehen.
Neue Krampfadern können sich an anderen Stellen bilden (sogenannte Rezidive). Die Rezidivrate (das Wiederauftreten) liegt je nach Studie und Verfahren bei etwa 10–35 % innerhalb von fünf bis zehn Jahren.
Die Wahl des Verfahrens ist für ein dauerhaftes Ergebnis nicht so entscheidend. Untersuchungen zeigen, dass sich die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls deutlich verringert, wenn die Operation von einem gut geschulten Phlebologen (Venenspezialisten) durchgeführt wird. Moderne Katheterverfahren haben zudem den Vorteil, dass sie bei einem Rückfall einfacher zu wiederholen sind als eine erneute Operation im vernarbten Gewebe.
Man kann einiges unternehmen, um das Wiederauftreten von Krampfadern zu verhindern. Dazu gehören regelmäßige Bewegung (Gehen, Radfahren, Schwimmen), das Vermeiden von langem Stehen und Sitzen, Gewichtskontrolle sowie das gelegentliche Hochlagern der Beine. Auch das Tragen von Kompressionsstrümpfen bei langen Reisen oder stehenden Tätigkeiten kann sinnvoll sein.
Das klassische Venenstripping wird von allen gesetzlichen Krankenkassen als Regelleistung übernommen. Bei den modernen endovenösen Verfahren (Laser, Radiofrequenz) ist die Situation komplizierter: Diese sind nicht im Standardkatalog der ambulanten Versorgung (EBM) enthalten. Dennoch können viele gesetzlich Versicherte diese Behandlungen kostenfrei erhalten, wenn ihre Krankenkasse spezielle Verträge zur integrierten Versorgung mit dem Behandler abgeschlossen hat. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse und beim behandelnden Arzt nach.
Private Krankenversicherungen übernehmen moderne Verfahren wie Laser oder Radiofrequenz in der Regel problemlos, sofern eine medizinische Notwendigkeit vorliegt. Selbstzahler müssen je nach Verfahren und Umfang mit Kosten zwischen 1.200 und 3.700 Euro rechnen, wobei das VenaSeal™-Verfahren aufgrund der hohen Materialkosten am teuersten ist.
Weitere Informationen zur Behandlung von Krampfadern finden Sie auf MEDPERTISE.
| Info | Antwort |
|---|---|
| OP-Dauer | 30 Minuten bis 1,5 Stunden (je nach Verfahren und Ausdehnung) |
| Narkose | Stripping: Tumeszenz, Spinal- oder Vollnarkose; Katheterverfahren: örtliche Betäubung (Tumeszenz) |
| Klinikaufenthalt | Meist ambulant; stationär nur bei schweren Begleiterkrankungen (nur dann Kassenübernahme) |
| Kompressionsstrümpfe | Stripping: 2–4 Wochen; Laser/Radiofrequenz: 1–2 Wochen; VenaSeal™: meist nicht erforderlich |
| Schmerzen | Stripping: mäßig, Blutergüsse häufig; Katheterverfahren: gering bis mäßig |
| Aktivitäten | Sofort: Gehen empfohlen; leichter Sport ab 2. Woche; Joggen/Tennis nach 3 Wochen; volle Belastung nach 4 Wochen |
| Arbeitsfähigkeit | Büroarbeit: nach ca. 2 Tagen; körperliche Arbeit: länger; grob ca. 1 Woche Krankschreibung |
| Komplikationen | Blutergüsse, Verhärtungen, Gefühlsstörungen, selten Thrombose (<1 %), Wundheilungsstörungen |
| Rezidivrate | 10–35 % innerhalb von 5–10 Jahren (je nach Verfahren und Studie) |
| Haltbarkeit | Langfristig gut; neue Krampfadern können an anderen Stellen entstehen |
| Kosten (Selbstzahler) | 1.200–3.700 Euro (je nach Verfahren) |
| Kassenleistung | Stripping: ja; Laser/Radiofrequenz: über Sonderverträge oft möglich; VenaSeal™: meist Selbstzahler |
| Wichtigste Kontraindikation | Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), akute tiefe Venenthrombose, Schwangerschaft |
aktualisiert am 05.02.2026