Was ist ein Lipödem? Eine chronische Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Dabei vermehrt und vergrößert sich das Fettgewebe symmetrisch an Beinen, Hüften, Gesäß und manchmal Armen – begleitet von Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Hämatomneigung. Hände und Füße bleiben schlank.
Für wen relevant? Betroffen sind nahezu ausschließlich Frauen, typischerweise beginnend zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Auslöser sind oft hormonelle Umstellungen wie Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause. Das Lipödem ist unabhängig vom Körpergewicht – auch schlanke Frauen können betroffen sein.
Wichtigste Therapie: Die konservative Behandlung (Kompression, Bewegung, manuelle Lymphdrainage) lindert Symptome, kann aber das Fettgewebe nicht reduzieren. Die Liposuktion (Fettabsaugung) ist die einzige Methode, die das krankhaft vermehrte Fett dauerhaft entfernt und seit Januar 2026 unter bestimmten Voraussetzungen reguläre Kassenleistung.
Kosten: Bei Erfüllung der Voraussetzungen (u.a. BMI unter 32, 6 Monate konservative Therapie, Gewichtsstabilität) übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Selbstzahler: ca. 3.500–12.000 € je nach Umfang.
Bei einem Lipödem handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung. Dabei kommt es sowohl zu einer Vergrößerung (Hypertrophie) von Fettzellen im Unterhautfettgewebe als auch zu einer Vermehrung (Hyperplasie) von Fettzellen.
Betroffen sind in der Regel das Gesäß, die Hüften und/oder die Beine und seltener die Arme. In diesen Bereichen werden auch die kleinen Blutgefäße (Kapillaren) durchlässiger. Dadurch wird vermehrt Flüssigkeit aus den Kapillaren ins umliegende Gewebe abgegeben. Kann diese vermehrte Flüssigkeit vom Lymphsystem nicht mehr bewältigt und abtransportiert werden, entsteht zusätzlich ein Ödem (Wassereinlagerung). Außerdem werden die Kapillaren empfindlicher und reißen schon bei kleineren Krafteinwirkungen wie Druck von außen oder leichten Stößen ein. Die Folge sind vermehrt auftretende Blutergüsse (Hämatome).
Durch die Vergrößerung und Vermehrung der Fettzellen im Unterhautfettgewebe und die gesteigerte Wasseransammlung entstehen eine Berührungsempfindlichkeit, ein Spannungsgefühl und oft auch Schmerzen im betroffenen Gebiet.
Ein Lipödem ist häufig mit körperlichen Beschwerden, aber vor allem auch mit psychischen Belastungen aufgrund des veränderten Aussehens für die Betroffenen verbunden. Lange Zeit wurde die Erkrankung oft verkannt oder als bloße Adipositas fehlgedeutet. Doch das Lipödem ist eine eigenständige Erkrankung – die seit Januar 2026 auch offiziell als solche von den Krankenkassen anerkannt wird.
Die Ursachen für die Entstehung eines Lipödems sind noch weitgehend ungeklärt, doch die Forschung hat in den letzten Jahren wichtige Hinweise geliefert. Eine genetische Veranlagung wird stark vermutet, da Lipödeme in manchen Familien gehäuft vorkommen. Studien zeigen, dass bestimmte Gene, die die Lymphgefäßentwicklung und die Durchlässigkeit von Blutgefäßen steuern, eine Rolle spielen könnten. Auch ein Zusammenhang mit einer hormonellen Umstellung gilt als sehr wahrscheinlich. So treten Lipödeme vermehrt in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren auf – also immer dann, wenn sich der Hormonhaushalt grundlegend verändert.
Das Körpergewicht (Übergewicht, Normalgewicht oder Untergewicht) und die Ernährung sind nicht die Ursache für die Entwicklung eines Lipödems. Auch schlanke Frauen mit gesunder Ernährung können betroffen sein. Es ist aber bekannt, dass die Reduktion von Übergewicht und das Halten eines Normalgewichtes positive Auswirkungen auf den Verlauf eines Lipödems haben. Eine Gewichtszunahme verstärkt die Beschwerden und kann das Fortschreiten der Erkrankung beschleunigen.
Betroffen sind fast nur Frauen. Der Beginn der Erkrankung liegt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Prinzipiell kann die Erkrankung aber in jedem Alter auftreten. Die Verteilung ist beidseitig (symmetrisch).
Je nach Ausprägung der Fettverteilungsstörung wird auch vom Reithosen-Phänomen (Gesäß und oberer Teil der Oberschenkel), Suavenhosen-Phänomen (Hüfte bis Sprunggelenke) oder Säulenbein (Verteilung über die gesamte Beinlänge) gesprochen.
Die Diagnose des Lipödems erfolgt primär klinisch – das heißt durch Blickdiagnose und körperliche Untersuchung. Es gibt bis heute keine Laborwerte oder bildgebenden Verfahren, die ein Lipödem zweifelsfrei beweisen können. Die Diagnosestellung basiert auf drei charakteristischen Merkmalen:
Die diagnostische Trias:
Zusätzlich ist das sogenannte "Cuff-Zeichen" (Manschetten-Phänomen) typisch: Die Fettvermehrung endet abrupt oberhalb der Knöchel, sodass Füße und Hände schlank bleiben. Das Stemmer-Zeichen (eine Hautfalte über der zweiten Zehe kann nicht abgehoben werden) ist beim reinen Lipödem negativ – dies grenzt es vom Lymphödem ab.
Zur Beschreibung des morphologischen Befundes wird das Lipödem in drei Stadien eingeteilt, wobei wichtig ist: Das Stadium sagt nichts über die Schwere der Beschwerden aus. Eine Patientin im Stadium I kann stärkere Schmerzen haben als eine im Stadium III.
Stadium I: Die Hautoberfläche ist glatt, das Unterhautfettgewebe verdickt, die Fettstruktur feinknotig.
Stadium II: Die Hautoberfläche ist uneben (Matratzenphänomen), es zeigen sich grobknotige Strukturen im Fettgewebe.
Stadium III: Es kommt zu ausgeprägten Umfangsvermehrungen mit deformierenden Fettlappen, die zu mechanischen Behinderungen und Entzündungen in den Hautfalten führen können.
Wichtig zur Abgrenzung: Ein Lipödem ist keine Adipositas. Während Übergewicht den ganzen Körper proportional betrifft und durch Ernährung und Bewegung beeinflussbar ist, zeigt das Lipödem eine disproportionale, schmerzhafte Fettverteilung, die sich durch Diät nicht reduzieren lässt. Auch die Abgrenzung zum Lymphödem ist wichtig: Beim Lymphödem sind auch Hände und Füße geschwollen, beim Lipödem bleiben diese schlank.
Gut zu wissen: Das Lipödem ist eine schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die symmetrisch beide Beine oder Arme betrifft, wobei Hände und Füße schlank bleiben. Es tritt fast ausschließlich bei Frauen auf und geht mit Druckschmerz sowie einer Neigung zu Hämatomen einher. Ein Lymphödem ist dagegen eine Flüssigkeitsansammlung durch einen gestörten Lymphabfluss. Es tritt oft einseitig auf und ist schmerzlos. Hier sind auch Hände und Füße geschwollen.
Eine ursächliche (kausale) Therapie für das Lipödem gibt es nicht. Ziel jeder Behandlung ist es, die Symptome zu lindern und ein Fortschreiten der Erkrankung möglichst zu verhindern. Die konservative Therapie ist die Grundlage jeder Lipödem-Behandlung und besteht aus mehreren Säulen.
Zu den Therapiemaßnahmen zählen Gewichtsreduktion oder das Halten von Normalgewicht sowie ausreichend Bewegung und Sport. Dies verhindert zwar nicht das Lipödem selbst, beeinflusst aber den Verlauf positiv und kann die Beschwerden lindern. Meist wird auch eine Kompressionstherapie verordnet – das Tragen von speziellen, flachgestrickten Kompressionsstrümpfen erzeugt äußeren Druck auf das Gewebe, stabilisiert es und reduziert Schwellungen. Die Kompression muss konsequent täglich getragen werden, um wirksam zu sein.
Die manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine spezielle Massagetechnik, die den Lymphabfluss fördert und Schwellungen reduziert. Bei reinem Lipödem ohne lymphatische Komponente wird die MLD heute allerdings kritischer gesehen und sollte primär der Schmerzlinderung dienen, nicht der Entstauung. In Kombination mit der Kompression bildet sie die sogenannte Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE).
Wichtig für die spätere Kostenübernahme: Seit Januar 2026 ist eine dokumentierte, mindestens sechsmonatige konservative Therapie Voraussetzung für die Kostenübernahme der Liposuktion durch die Krankenkasse. Diese Vorbehandlung muss nachweislich ohne ausreichenden Erfolg geblieben sein, bevor eine Operation in Betracht kommt.
Eine Fettabsaugung (Liposuktion) kommt in Betracht, wenn durch konservative (nicht operative) Maßnahmen wie Kompressionstherapie, Bewegung und Sport, Gewichtsnormalisierung und manuelle Lymphdrainage keine zufriedenstellende Linderung der Symptomatik erzielt werden kann. Die Liposuktion ist das einzige Verfahren, das die Ursache der Beschwerden – das krankhaft vermehrte Fettgewebe – dauerhaft entfernt und somit eine nachhaltige Verbesserung der Symptomatik ermöglicht.
Durch die Liposuktion gelingt es häufig, einen Zustand zu erreichen, bei dem die konservativen Maßnahmen nach der Operation stark reduziert oder ganz beendet werden können. Dies bedeutet für viele Patientinnen eine enorme Verbesserung der Lebensqualität – sowohl körperlich durch die Schmerzreduktion als auch psychisch durch die verbesserte Körperproportionierung.
Durch den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom Juli 2025 wird die Liposuktion bei Lipödem ab dem 1. Januar 2026 zur regulären Kassenleistung für alle Stadien. Lange Zeit war sie nur in Ausnahmefällen oder bei fortgeschrittenen Stadien erstattungsfähig – betroffene Frauen mussten sich oft hoch verschulden oder auf die notwendige Behandlung verzichten. Diese Ära ist nun vorbei.
Allerdings sind die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme strikt geregelt:
Die wissenschaftliche Grundlage für diese Entscheidung bildet die LIPLEG-Studie. Diese randomisierte kontrollierte Studie untersuchte über 400 Patientinnen und konnte belegen, dass die Liposuktion der alleinigen konservativen Therapie deutlich überlegen ist. Der primäre Endpunkt – eine Reduktion des Schmerzes um mindestens 2 Punkte auf einer Schmerzskala nach 12 Monaten – wurde in der Operationsgruppe bei 68,3 Prozent der Patientinnen erreicht, in der Kontrollgruppe nur bei 7,6 Prozent. Auch Verbesserungen der Mobilität und der Lebensqualität wurden eindeutig nachgewiesen.
Um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen und Komplikationen zu vermeiden, sollten folgende Empfehlungen vor der Operation beherzigt werden:
Vor dem Eingriff müssen außerdem bestimmte Laborparameter bestimmt werden, um die Operationsfähigkeit sicherzustellen. Dazu gehören ein großes Blutbild zur Kontrolle des Hämoglobinwertes (wegen des unvermeidlichen Blutverlustes) und der Leukozyten (Ausschluss von Infekten). Ebenso wichtig ist der Gerinnungsstatus, um das Risiko für Nachblutungen oder Thrombosen einzuschätzen. Bei größeren Absaugmengen werden auch Elektrolytwerte und Nierenfunktionsparameter kontrolliert. Ein EKG wird zur Beurteilung der Herzfunktion durchgeführt.
In der Lipödem-Chirurgie werden heute fast ausschließlich "nasse" Verfahren angewendet. Die früher gebräuchliche trockene Absaugung ist aufgrund des hohen Gewebetraumas und Blutverlustes nach G-BA-Richtlinie unzulässig. Bei allen modernen Verfahren wird zunächst eine Tumeszenzlösung in das Fettgewebe injiziert – eine Mischung aus Kochsalzlösung, Adrenalin und lokalen Betäubungsmitteln. Dies schwemmt die Fettzellen auf, verengt die Blutgefäße und erleichtert die schonende Absaugung über feine Kanülen.
Es gibt verschiedene Techniken, die bei der Fettabsaugung zur Anwendung kommen können:
Die Tumeszenz-Technik wird am häufigsten angewendet und bildet die Basis für alle modernen Verfahren. Hierbei wird die Tumeszenzlösung (eine Mischung aus sterilem Wasser oder Kochsalzlösung, einem lokalen Betäubungsmittel und Adrenalin) in das Unterhautfettgewebe gespritzt. Dieses Flüssigkeitsgemisch bewirkt eine Ablösung der Fettzellen vom Nachbargewebe. Nach einer Einwirkzeit von ungefähr 30 Minuten werden die abgelösten Fettzellen über eine Kanüle abgesaugt. Die dafür erforderlichen kleinen Hautschnitte werden danach mit Nähten verschlossen.
Bei der Vibrationstechnik (Power-Assisted Liposuction, PAL) wird zunächst eine Kombination aus Lokalanästhetikum (Betäubungsmittel) und Kochsalzlösung in das Operationsgebiet gespritzt. Danach wird eine Kanüle eingeführt, die durch einen Motor in hochfrequente Schwingungen versetzt wird. Die Vibration löst die Fettzellen effizient vom umgebenden Gewebe, was besonders bei größeren Volumina oder bereits vernarbtem oder fibrösem Gewebe (beispielsweise nach Voroperationen oder im Stadium III) von Vorteil ist. Dieses Verfahren ist besonders schonend für die im Operationsgebiet liegenden Gefäße und Nerven und gilt als Standardverfahren für eine zügige und effektive Reduktion großer Fettmengen.
Bei der Wasserstrahl-assistierten Liposuktion (WAL) wird zusammen mit einer Tumeszenz-Lösung ein fächerförmiger Hochdruck-Wasserstrahl ins Gewebe eingeführt. Dieser sorgt für das Lösen der Fettzellen vom umliegenden Gewebe. Danach können diese schonend abgesaugt werden. Der große Vorteil dieser Methode ist die hohe Schonung von Lymphgefäßen und Nerven, da der mechanische Druck geringer ist als bei herkömmlichen Methoden. Es verbleibt weniger Restflüssigkeit im Gewebe, was die unmittelbare Beurteilung der Kontur während der Operation erleichtert. Diese Technik ist ideal, wenn das abgesaugte Fett für spätere Rekonstruktionen verwendet werden soll.
Bei der Laserlipolyse werden die Fettzellen durch die Wärmeenergie des Laserstrahls verflüssigt und können dann abgesaugt werden. Diese Methode eignet sich eher für die Absaugung kleinerer Fettmengen bis 500 Milliliter. Bei der Behandlung größerer Fettdepots werden mehrere Sitzungen nötig. Die Wärmeentwicklung kann zudem einen gewissen Hautstraffungseffekt haben.
Bei dem Verfahren mit Radiofrequenzenergie erzeugen Radiofrequenzwellen die Hitze, die zu einer Auflösung der Fettzellen führt. Diese können dann anschließend, wie bei der Laserlipolyse, abgesaugt werden. Diese Methode hat zusätzlich einen straffenden Effekt auf die Haut.
Bei der Ultraschall-assistierten Liposuktion (UAL) wird zunächst auch eine Tumeszenz-Lösung gespritzt. Dadurch wird das Fettgewebe aufgeschwemmt. Eine danach eingeführte Ultraschallsonde gibt Energie ins Fettgewebe ab. Diese Energie zerstört die Fettzellen, so dass sie abgesaugt werden können. Ein Nachteil dieser Methode ist das Risiko, durch die Ultraschallenergie auch gesundes Gewebe zu verletzen.
Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von der individuellen Situation, dem Stadium des Lipödems, der zu behandelnden Körperregion und der Erfahrung des Operateurs ab. Oft werden auch Kombinationen verschiedener Techniken angewendet.
Obwohl die Liposuktion bei Lipödem als sicheres Verfahren gilt, ist sie ein invasiver Eingriff mit potenziellen Komplikationen. Jede Operation birgt ein gewisses Risiko für Komplikationen oder Folgeschäden. Auch bei größter Sorgfalt des Operateurs können folgende Komplikationen auftreten:
Die Operation stellt nur einen Teil des Behandlungserfolgs dar – die postoperative Phase ist ebenso entscheidend für das Ergebnis. Die Operation wird in den meisten Fällen ambulant durchgeführt. Eine Entlassung erfolgt am selben Tag, ansonsten am Tag nach der Liposuktion.
Direkt nach der Operation wird Kompressionswäsche angelegt. Diese sollte für ein gutes Operationsergebnis die nächsten vier bis sechs Wochen konsequent Tag und Nacht getragen werden. Die Kompression fördert die Resorption von Ödemen und hilft, die Haut an das reduzierte Volumen anzupassen.
Bereits in der ersten Woche nach der Operation sollte mit intensiver manueller Lymphdrainage begonnen werden – idealerweise dreimal wöchentlich für 60 Minuten. Dies beschleunigt den Abbau von Schwellungen und Gewebeflüssigkeit erheblich und verbessert das Endergebnis. In den ersten Tagen nach der Liposuktion muss die eingespritzte Flüssigkeit noch abfließen. Am besten wird dies durch Bewegung unterstützt – frühzeitige Mobilisation durch Gehen ist wichtig zur Thromboseprophylaxe.
Die Berufstätigkeit kann nach einer guten Woche wieder aufgenommen werden. Bei körperlich schweren Arbeiten dauert die Arbeitsunfähigkeit eventuell auch länger. Hier sollte eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Meist ist es erforderlich, sich Urlaub zu nehmen, da eine Krankschreibung nur bei fortgeschrittenen Fällen eines Lipödems oder bei Komplikationen erfolgen kann.
Sport sollte für ungefähr vier bis sechs Wochen ausgesetzt werden. Intensiver Sport kann zu Schwellungen und Nachblutungen führen. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist jedoch bereits ab dem ersten Tag nach der Operation erwünscht und wichtig. Zu einem mehrwöchigen Verzicht auf das Rauchen und den Konsum von Alkohol wird dringend geraten, da beides die Wundheilung verzögert.
Der endgültige Erfolg der Operation lässt sich oft erst nach 4 bis 9 Monaten beurteilen, wenn alle Schwellungen abgeklungen sind und sich das Gewebe stabilisiert hat. In dieser Zeit sollten regelmäßige Kontrolltermine beim Operateur wahrgenommen werden.
Die Erfolgsaussichten nach einer Liposuktion bei Lipödem sind günstig. Langzeitstudien über einen Zeitraum von 10 Jahren zeigen, dass die meisten Patientinnen dauerhaft von einer Schmerzreduktion und einer verbesserten Mobilität profitieren. Abgesaugte und entfernte Fettzellen bilden sich nicht wieder neu nach. Dies ist der große Vorteil gegenüber der rein konservativen Therapie, die zwar Symptome lindert, aber das Fettgewebe nicht reduziert.
Noch vorhandene Fettzellen können allerdings an Größe zunehmen. Deshalb ist es nach einer Liposuktion weiterhin wichtig, Normalgewicht zu halten und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Eine Gewichtszunahme führt auch zu einer Zunahme des Lipödems und den damit verbundenen Beschwerden – allerdings meist nicht mehr in dem Ausmaß wie vor der Operation. Bei 96,3 Prozent der operierten Patientinnen verbessert sich die Lebensqualität signifikant.
Bei vielen Betroffenen kann die konservative Therapie aus Kompressionsbehandlung und manuellen Lymphdrainagen nach der Operation deutlich reduziert oder ganz beendet werden. Auch unangenehme Begleiterscheinungen des Lipödems wie wundgescheuerte Oberschenkelinnenseiten, vermehrte Beinfehlstellungen (X-Bein) und Gelenkverschleiß (Arthrose) werden positiv beeinflusst. Durch die Normalisierung des Aussehens nimmt die psychische Belastung ab. Betroffene Frauen berichten nach der Operation über eine deutliche Abnahme von Arbeitsunfähigkeitszeiten und eine Verbesserung der physischen Belastbarkeit.
Gut zu wissen: Eine vollständige "Heilung" im Sinne einer Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands ist zwar selten möglich, aber der chronische Fortschritt kann gestoppt werden. Alles in allem bringt die Operation für viele Betroffene eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität – sowohl körperlich als auch psychisch.
Die Durchführung einer Liposuktion bei Lipödem erfordert spezifische chirurgische Expertise und eine entsprechende infrastrukturelle Ausstattung. Nach den G-BA-Qualitätssicherungsrichtlinien sind folgende Fachärztinnen und Fachärzte zur Erbringung der Leistung als Kassenleistung zugelassen:
Die Indikationsstellung muss zudem nach dem Vier-Augen-Prinzip erfolgen: Ein zweiter, unabhängiger Facharzt muss die Diagnose und die Notwendigkeit der Operation bestätigen. Dies soll sicherstellen, dass die Indikation korrekt gestellt wird.
Als kompetente Ansprechpartner für eine eindeutige Diagnose des Lipödems und die Planung der Behandlung gelten außerdem Fachärzte für Gefäßmedizin (Angiologen), Venenfachärzte (Phlebologen) oder Fachärzte für Erkrankungen des Lymphgefäßsystems (Lymphologen).
Der Operateur sollte sorgfältig ausgewählt werden und möglichst über viel Erfahrung mit der Operation verfügen. In einem ausführlichen Gespräch sollte geklärt werden, welche Ergebnisse realistisch sind und welche Wünsche nicht erfüllt werden können. So lassen sich Enttäuschungen nach der Operation vermeiden.
Spezialisierte Zentren: In vielen größeren Städten gibt es inzwischen spezialisierte Kliniken und Praxen, die sich auf die Behandlung des Lipödems konzentriert haben. Diese verfügen oft über besondere Expertise und moderne Ausstattung. Es lohnt sich, gezielt nach solchen Zentren zu suchen und Erfahrungsberichte anderer Patientinnen einzuholen.
Die Kosten für eine Liposuktion bei einem Lipödem sind abhängig von der Größe des Operationsgebietes und damit vom Operationsaufwand. Außerdem müssen die Ausgaben für die Arbeit des Narkosearztes (Anästhesisten) mit berücksichtigt werden. In der Regel sind für eine komplette Behandlung der Beine zwei bis drei Operationen erforderlich, da aus Sicherheitsgründen nicht das gesamte Fettgewebe in einer Sitzung entfernt werden kann.
Bei Selbstzahlern belaufen sich die Kosten je nach Körperregion und Umfang auf:
Zu den reinen Operationskosten kommen oft noch Gebühren für die Anästhesie (ab 800 Euro), Klinikübernachtungen sowie die Kosten für die Kompressionsmieder (50 bis 300 Euro) hinzu.
| Info | Antwort |
|---|---|
| OP-Dauer | 1 bis 2 Stunden, je nach Größe des OP-Gebietes |
| Narkose | meist örtliche Betäubung (Tumeszenz-Lokalanästhesie), manchmal auch Vollnarkose |
| Klinikaufenthalt | meist ambulant, maximal 1 Nacht |
| Aktivitäten | Sport und größere körperliche Anstrengungen: nach ungefähr 4 bis 6 Wochen |
| Arbeitsfähigkeit | Berufe ohne große körperliche Belastung: nach ungefähr 1 Woche |
| Nachsorge | Kompressionsw äsche: für 4 bis 6 Wochen Tag und Nacht |
| Endergebnis sichtbar | Nach 4 bis 9 Monaten, wenn alle Schwellungen abgeklungen sind |
| Haltbarkeit | Dauerhaft – abgesaugte Fettzellen bilden sich nicht neu. Gewichtsstabilität erforderlich. |
| Kosten (Selbstzahler) | Je nach Körperregion 3.500 bis 12.000 Euro für die komplette Behandlung (meist 2–3 Sitzungen erforderlich) |
| Kassenleistung ab 2026 | Ja, bei Erfüllung der Voraussetzungen: BMI unter 32 (bzw. 32–35 mit WHtR-Nachweis), 6 Monate dokumentierte konservative Therapie ohne Erfolg, Gewichtsstabilität, Bestätigung durch 2. Facharzt |
| Typisches Alter | Beginn meist zwischen 20. und 30. Lebensjahr, Operation oft zwischen 30 und 60 |
| Betroffene | Fast ausschließlich Frauen (hormonell bedingt) |
Deutsche Gesellschaft für Phlebologie e.V. (DGP) – Was ist ein Lipödem?: https://www.phlebology.de/patienten/venenkrankheiten/lipoedem/ (online, letzter Abruf: 07.07.2022)
Lymphologischer Informationsdienst Rainer H. Kraus – Alles über das Lipödem: http://www.lipoedemportal.de/lipoedem-krankheitsbild-diagnose.htm (online, letzter Abruf: 07.07.2022)
AWMF online – S1-Leitlinie Lipödem: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/037-012l_S1_Lipoedem_2016-01-abgelaufen.pdf (online, letzter Abruf: 07.07.2022)
aktualisiert am 09.02.2026