Was ist eine Dysgnathie? Eine Fehlstellung der Kieferknochen (Ober- und/oder Unterkiefer), die über eine reine Zahnfehlstellung hinausgeht. Die Kieferknochen stehen in einem falschen Verhältnis zueinander oder zur Schädelbasis – mit Auswirkungen auf Kauen, Atmen, Sprechen und die Gesichtsästhetik.
Für wen ist eine Operation geeignet? Für erwachsene Patienten nach Abschluss des Kieferwachstums, bei denen eine Zahnspange allein die knöcherne Fehlstellung nicht korrigieren kann. Typische Gründe für eine Operation: stark zurückliegendes oder vorstehendes Kinn, offener Biss, ausgeprägte Gesichtsasymmetrien.
Wie läuft die Behandlung ab? Die Therapie erstreckt sich über 1,5 bis 2 Jahre und umfasst drei Phasen: kieferorthopädische Vorbereitung mit Zahnspange (6–12 Monate), die eigentliche Operation und kieferorthopädische Nachbehandlung (6–12 Monate).
Wichtigste Risiken: Vorübergehende Taubheitsgefühle der Unterlippe (häufig), dauerhafte Gefühlsstörung (ca. 5–9%), Schwellungen, selten Infektionen oder Rückfall der Fehlstellung.
Kostenübernahme: Bei schweren Fehlstellungen (KIG-Stufe 3–5) übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten – es handelt sich um eine medizinisch notwendige Behandlung, keine Schönheitsoperation.
Wenn Ober- und Unterkiefer nicht richtig zueinander passen, spricht man von einer Dysgnathie – wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „fehlerhafter Kiefer". Im Gegensatz zu einfachen Zahnfehlstellungen, die sich mit einer Zahnspange korrigieren lassen, liegt bei einer Dysgnathie das Problem im Knochen selbst: Die Kieferknochen haben sich während des Wachstums nicht harmonisch entwickelt.
Die Folgen gehen weit über das Ästhetische hinaus. Betroffene haben oft Schwierigkeiten beim Kauen und Abbeißen, leiden unter Kiefergelenkschmerzen, Kopfschmerzen oder Atemproblemen – manchmal sogar unter nächtlichen Atemaussetzern (Schlafapnoe). Viele empfinden auch ihr Gesichtsprofil als störend, etwa ein stark fliehendes oder vorstehendes Kinn.
Die gute Nachricht: Die moderne Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie kann diese Fehlstellungen dauerhaft korrigieren. In Kombination mit einer kieferorthopädischen Behandlung werden die Kieferknochen operativ in die richtige Position gebracht – ein Eingriff, der nicht nur die Funktion wiederherstellt, sondern auch das Gesicht harmonisiert.
Der Begriff Dysgnathie beschreibt eine Fehlentwicklung der Kieferknochen – also des Ober- und/oder Unterkiefers. Im Unterschied zu einer einfachen Zahnfehlstellung, bei der die Zähne schief stehen, aber der Kieferknochen normal geformt ist, liegt bei einer Dysgnathie das Problem tiefer: Die knöchernen Grundlagen des Gebisses passen nicht zusammen.
Diese Fehlstellungen entstehen meist während der Wachstumsphasen in Kindheit und Jugend, wenn sich Ober- und Unterkiefer nicht gleichmäßig oder nicht in die gleiche Richtung entwickeln. Bei Kindern kann das Wachstum noch beeinflusst werden – bei Erwachsenen ist der Knochen ausgewachsen und lässt sich nur noch operativ korrigieren.
Knöcherne vs. zahnbezogene Fehlstellung: Bei einer rein zahnbezogenen Fehlstellung stehen die Zähne schief im Kiefer, der Knochen selbst ist aber normal geformt – hier hilft eine Zahnspange. Bei einer knöchernen Dysgnathie ist der Kieferknochen selbst zu groß, zu klein oder falsch positioniert. Das Gesichtsprofil ist oft deutlich verändert (z.B. fliehendes oder prominentes Kinn), und eine Zahnspange allein kann das Problem nicht lösen.
Die Entwicklung des Gesichtsschädels ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird:
Vererbung: Eine familiäre Häufung ist besonders beim vorstehenden Unterkiefer gut dokumentiert – historisch bekannt als „Habsburger Unterlippe". Auch angeborene Syndrome wie die Pierre-Robin-Sequenz oder das Treacher-Collins-Syndrom führen zu ausgeprägten Kieferfehlstellungen.
Angewohnheiten in der Kindheit: Daumenlutschen, Lippenbeißen oder ein falsches Schluckmuster können das Knochenwachstum massiv beeinflussen. Ein klassisches Beispiel ist der „lutschoffene Biss", bei dem der mechanische Druck des Daumens das Wachstum der Frontzahnregion hemmt.
Atmungsprobleme: Chronische Mundatmung – etwa durch vergrößerte Rachenmandeln oder eine behinderte Nasenatmung – führt dazu, dass die Zunge tief liegt und keinen Druck auf den Gaumen ausübt. Die Folge ist häufig ein schmaler, hoher Gaumen und ein zu schmaler Oberkiefer.
Weitere Ursachen: Lokale Erkrankungen wie Entzündungen, Tumoren, Zysten oder Narbenbildung nach Operationen oder Unfällen können ebenfalls zu erworbenen Dysgnathien führen.
Kieferfehlstellungen werden in drei Richtungen betrachtet: vorne-hinten, in der Breite und in der Höhe. In der Praxis treten diese Abweichungen selten einzeln auf, sondern meist in Kombination.
Rücklage des Unterkiefers (Klasse II / Retrognathie): Dies ist die häufigste Fehlstellung in Mitteleuropa. Der Unterkiefer liegt im Verhältnis zum Oberkiefer zu weit hinten. Das Gesichtsprofil wirkt nach außen gewölbt, das Kinn „fliehend" – manchmal als „Vogelgesicht" beschrieben. Ursache kann ein unterentwickelter Unterkiefer oder ein zu weit vorne liegender Oberkiefer sein.
Vorstehender Unterkiefer (Klasse III / Progenie / mandibuläre Prognathie): Der Unterkiefer ragt über den Oberkiefer hinaus. Das Kinn ist prominent, die Unterlippe wirkt wulstig. Ursache kann ein übermäßiges Wachstum des Unterkiefers sein – oder ein unterentwickelter Oberkiefer, was zu einem eingefallenen Mittelgesicht führt.
Kreuzbiss: Bei einem zu schmalen Oberkiefer greifen die oberen Zähne nicht über die unteren, sondern stehen innerhalb. Dies kann einseitig oder beidseitig auftreten und ist oft mit einem hohen, schmalen Gaumen verbunden.
Scherenbiss: Der Oberkiefer ist im Verhältnis zum Unterkiefer viel zu breit – die Backenzähne haben keinen Kontakt und gleiten aneinander vorbei.
Offener Biss: Beim Zusammenbeißen verbleibt ein senkrechter Spalt zwischen den Zahnreihen – typischerweise im Frontzahnbereich. Betroffene können nicht abbeißen und entwickeln oft einen Sprachfehler (Lispeln). Die Ursache kann im Knochen liegen (auseinanderlaufende Kieferwinkel, sogenanntes „langes Gesicht") oder durch Angewohnheiten wie Daumenlutschen entstanden sein.
Tiefer Biss (Deckbiss): Die oberen Schneidezähne überdecken die unteren extrem – im Extremfall beißen die unteren Zähne in die Gaumenschleimhaut. Häufig liegt ein „kurzes Gesicht" mit wenig Untergesichtshöhe vor.
Die Auswirkungen einer Dysgnathie gehen weit über das Ästhetische hinaus. Viele Patienten leben jahrelang mit Beschwerden, ohne deren Ursache zu kennen.
Kauprobleme: Bei einem offenen Biss ist das Abbeißen unmöglich, bei einem Kreuzbiss die effektive Zerkleinerung der Nahrung beeinträchtigt. Viele Betroffene gewöhnen sich an, weiche Nahrung zu bevorzugen oder das Kauen zu minimieren – mit möglichen Folgen für die Verdauung.
Kiefergelenkbeschwerden: Wenn die Kiefer nicht richtig zueinander passen, werden die Kiefergelenke falsch belastet. Langfristig kann dies zu Knacken im Gelenk, chronischen Gesichtsschmerzen, Kopfschmerzen, Ohrgeräuschen (Tinnitus) oder Nackenverspannungen führen. Fachleute sprechen von einer „Craniomandibulären Dysfunktion" (CMD).
Sprachprobleme: Besonders der offene Biss führt häufig zum Lispeln, da die Zunge sich in die Lücke zwischen den Frontzähnen schiebt. Diese Sprachfehler lassen sich durch Logopädie oft nicht vollständig beheben, solange die anatomische Ursache nicht korrigiert ist.
Ein besonders kritischer Aspekt: Bei einem stark zurückliegenden Unterkiefer ist der Rachenraum hinter dem Zungengrund von Natur aus verengt. Im Schlaf entspannt sich die Muskulatur, die Zunge fällt nach hinten – und kann die Atemwege blockieren.
Diese sogenannte obstruktive Schlafapnoe (wörtlich: „Atemstillstand durch Verschluss") führt zu wiederholten Atemaussetzern in der Nacht, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und erhöht langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für viele Betroffene kann eine Kieferoperation, die den Unterkiefer nach vorne verlagert, die Schlafapnoe deutlich verbessern oder sogar heilen.
Auch wenn Ärzte von einer „funktionellen" Begründung sprechen – für viele Patienten ist das veränderte Gesichtsprofil die größte Belastung. Ein stark fliehendes Kinn, ein vorspringender Unterkiefer oder ein eingefallenes Mittelgesicht können das Selbstwertgefühl erheblich beeinträchtigen.
Keine Schönheitsoperation: Obwohl das ästhetische Ergebnis für Patienten oft im Vordergrund steht, handelt es sich bei der Dysgnathie-Chirurgie um eine medizinisch notwendige Behandlung – nicht um einen kosmetischen Eingriff. Die Krankenkassen übernehmen bei entsprechender Begründung die Kosten.
Die Diagnose erfordert eine gründliche Untersuchung durch einen spezialisierten Kieferorthopäden oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen. Neben der körperlichen Untersuchung (Beurteilung des Gesichtsprofils, Funktionstest der Kiefergelenke) sind Röntgenbilder unverzichtbar:
Panoramaaufnahme (OPG): Ein Übersichtsröntgenbild zur Beurteilung aller Zähne, der Wurzeln und der groben Knochenstrukturen.
Seitliches Schädelröntgen (Fernröntgenseitenbild): Auf diesem speziellen Röntgenbild werden Winkel und Längenverhältnisse von Schädelbasis, Oberkiefer und Unterkiefer ausgemessen, um die genaue Art der Fehlstellung zu bestimmen.
3D-Röntgen (Digitale Volumentomographie): In komplexen Fällen ermöglicht diese dreidimensionale Bildgebung eine präzise Planung der Operation und die Simulation des Ergebnisses am Computer.
In Deutschland ist die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen an die „Kieferorthopädischen Indikationsgruppen" (KIG) gebunden. Dieses System teilt Fehlstellungen nach Schweregrad ein:
Für die Kieferchirurgie ist besonders die KIG-Stufe 5 relevant. Sie umfasst schwerwiegende knöcherne Kieferfehlstellungen, angeborene Gesichtsfehlbildungen und Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Beispiele: Abstand der Schneidezähne zueinander über 9 mm, Unterkiefer beißt mehr als 3 mm vor dem Oberkiefer, angeborener offener Biss über 4 mm.
Der Schweregrad der Kieferfehlstellung wird durch den Kieferchirurgen nach vorgegebenen Richtlinien festgelegt.
Die Therapie hängt vom Alter des Patienten und vom Schweregrad der Fehlstellung ab:
Bei Kindern und Jugendlichen: Solange das Kieferwachstum nicht abgeschlossen ist (etwa bis zum 16.–18. Lebensjahr), kann eine kieferorthopädische Behandlung das Wachstum beeinflussen und lenken. Bei leichten bis mittleren Fehlstellungen ist eine Operation dann oft nicht nötig.
Bei Erwachsenen: Nach Abschluss des Wachstums kann der Knochen nicht mehr „gelenkt" werden. Bei knöchernen Fehlstellungen, die über eine reine Zahnkorrektur hinausgehen, ist die kombinierte Behandlung aus Kieferorthopädie und Kieferchirurgie der bewährte Standard.
Die gesamte Therapie erstreckt sich über 1,5 bis 2 Jahre und erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Kieferorthopäde und Mund-Kiefer-Gesichtschirurg:
Phase 1 – Untersuchung und Planung: Erstellung eines detaillierten Behandlungsplans mit Röntgenbildern, Gebissabdrücken und oft einer 3D-Simulation des Ergebnisses am Computer.
Phase 2 – Vorbereitung mit Zahnspange (6–12 Monate): Die Zähne werden mit einer festen Zahnspange in ihre ideale Position auf dem jeweiligen Kieferknochen gestellt. Wichtig: In dieser Phase verschlechtert sich das Aussehen vorübergehend, da die natürliche „Tarnung" der Fehlstellung durch gekippte Zähne aufgehoben wird (mehr dazu unten).
Phase 3 – Die Operation: Der eigentliche chirurgische Eingriff mit Krankenhausaufenthalt.
Phase 4 – Nachbehandlung mit Zahnspange (6–12 Monate): Feineinstellung des Bisses – die Zahnreihen werden durch Gummizüge und Bogenanpassungen perfekt ineinander verzahnt.
Phase 5 – Stabilisierung: Dauerhafte Sicherung des Ergebnisses durch festgeklebte Haltedrähte hinter den Zähnen oder herausnehmbare Schienen.
Warum wird es vor der OP erst schlechter? Der Körper versucht, knöcherne Fehlstellungen zu „tarnen", indem die Zähne in Richtung der anderen Zahnreihe kippen. Bei einem vorstehenden Unterkiefer etwa neigen sich die oberen Schneidezähne nach vorne und die unteren nach hinten – um den Abstand zu überbrücken. Vor der OP muss diese Kompensation durch die Zahnspange aufgehoben werden, damit der Chirurg die Kiefer optimal verschieben kann. Das bedeutet: Der Vorbiss wird vorübergehend größer, das Kinn wirkt noch prominenter. Dieses „Verschlechtern vor dem Verbessern" ist ein notwendiger Schritt.
Die moderne Kieferchirurgie wird fast ausschließlich durch den Mund durchgeführt – es entstehen keine sichtbaren Narben im Gesicht. Die Eingriffe erfolgen in Vollnarkose und erfordern höchste Präzision, um Nerven und Blutgefäße zu schonen.
Bei diesem Standardverfahren wird der Oberkiefer waagerecht oberhalb der Zahnwurzeln durchtrennt. Der zahntragende Teil des Oberkiefers kann dann frei bewegt werden: nach vorne (bei eingefallenen Mittelgesicht), nach hinten, nach oben (bei „Zahnfleischlächeln", wenn beim Lachen zu viel Zahnfleisch sichtbar wird) oder nach unten. Die Befestigung in der neuen Position erfolgt mit kleinen Titanplatten und Schrauben.
Dies ist der Standardeingriff für den Unterkiefer. Dabei wird der Knochen nicht einfach durchgesägt, sondern in der Längsachse gespalten – es entstehen zwei breite Knochenflächen, die gegeneinander verschoben werden können. Der Vorteil: Die Flächen bleiben auch nach der Verschiebung in Kontakt, was eine schnelle Knochenheilung ermöglicht. Der Gefühlsnerv für die Unterlippe, der im Knochen verläuft, muss dabei besonders geschont werden.
Bei komplexen Fehlstellungen – etwa einem knöchernen offenen Biss, starken Asymmetrien oder einer Kombination verschiedener Probleme – werden Ober- und Unterkiefer in einer Sitzung operiert. Dies ermöglicht auch eine Drehung der gesamten Bissebene zur optimalen Harmonisierung von Ästhetik und Atemwegen.
Oft wird ergänzend das Kinn korrigiert (Kinnkorrektur). Dabei wird die Kinnspitze abgesägt und in die gewünschte Position versetzt – nach vorne, hinten, oben oder unten. Dieser Eingriff beeinflusst den Biss nicht, vervollständigt aber das harmonische Gesichtsprofil.
In ausführlichen Vorgesprächen werden Sie über den Ablauf, die Risiken und das zu erwartende Ergebnis aufgeklärt. Oft wird das Ergebnis am Computer simuliert, damit Sie einen realistischen Eindruck bekommen.
Wichtige Vorbereitungen:
Schwellung: Eine starke Gesichtsschwellung ist unvermeidlich und erreicht ihren Höhepunkt typischerweise am 3. Tag nach der Operation. Maßnahmen: Oberkörper hochlagern, regelmäßiges Kühlen, Lymphdrainage.
Schmerzen: Überraschenderweise berichten viele Patienten über weniger Schmerzen als erwartet. Dies liegt an der vorübergehenden Taubheit im Operationsgebiet durch die Nervendehnung. Normale Schmerzmittel sind meist ausreichend.
Fixierung: Dank moderner Titan-Miniplatten ist eine Verdrahtung der Kiefer heute selten nötig. Stattdessen werden Gummizüge zwischen den Zahnspangen verwendet, die den Kiefer in der neuen Position halten, aber eine Mundöffnung ermöglichen.
Dies ist einer der herausforderndsten Aspekte der Genesung:
Nach der Operation folgt die Feineinstellung durch den Kieferorthopäden. Mit Gummizügen und Bogenanpassungen werden die Zahnreihen perfekt verzahnt. Diese Phase dauert weitere 6–12 Monate.
Entfernung der Titanplatten: Die Titanplatten können nach 6–12 Monaten in einem kleinen Zweiteingriff entfernt werden. In vielen Fällen ist dies jedoch nicht zwingend nötig, da moderne Titan-Systeme sehr gut verträglich sind.
Wie jeder chirurgische Eingriff birgt auch die Kieferoperation Risiken. Die Aufklärung darüber erfolgt ausführlich im Vorgespräch.
Das bedeutendste Risiko bei der Unterkieferoperation betrifft den Gefühlsnerv für Unterlippe und Kinn, der im Unterkieferknochen verläuft.
Wichtig: Es handelt sich um eine Gefühlsstörung, nicht um eine Lähmung. Die Beweglichkeit der Lippe (Lächeln, Sprechen) wird durch einen anderen Nerv gesteuert und ist bei korrekter Operationstechnik nicht betroffen.
Die Erfolgsaussichten der chirurgischen Kieferkorrektur sind sehr gut. Studien zeigen:
Viele Patienten berichten nicht nur über funktionelle Verbesserungen, sondern auch über eine deutliche Steigerung ihres Selbstwertgefühls und ihrer Lebensqualität nach der Harmonisierung ihres Gesichtsprofils.
Unbehandelt verschlechtern sich die Beschwerden einer Dysgnathie in der Regel mit zunehmendem Alter. Der Verschleiß der Kiefergelenke schreitet fort, Schäden am Zahnhalteapparat durch Fehlbelastung können entstehen, und eine eventuell vorhandene Schlafapnoe kann sich verschlechtern.
Kieferoperationen werden von Fachärzten für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie durchgeführt. Diese Spezialisten haben sowohl ein Medizin- als auch ein Zahnmedizinstudium absolviert und verfügen über eine umfassende Weiterbildung in der Gesichtschirurgie.
Die Behandlung mit Zahnspange vor und nach der Operation erfolgt durch Fachzahnärzte für Kieferorthopädie. Eine enge Zusammenarbeit beider Fachrichtungen ist für den Behandlungserfolg unerlässlich.
Bei entsprechender medizinischer Begründung (KIG 3–5) werden die Kosten für die kieferorthopädische und chirurgische Behandlung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Dies unterstreicht, dass es sich nicht um eine Schönheitsoperation, sondern um einen medizinisch notwendigen Eingriff handelt.
Privatversicherungen und Zusatzversicherungen haben je nach Vertrag unterschiedliche Regelungen, übernehmen bei entsprechender Begründung aber in der Regel ebenfalls die Kosten.
| Info | Antwort |
|---|---|
| Behandlungsdauer gesamt | 1,5 bis 2 Jahre (inkl. Zahnspange vor und nach OP) |
| OP-Dauer | 2 bis 4 Stunden (je nach Umfang) |
| Narkose | Vollnarkose |
| Klinikaufenthalt | 2 bis 7 Tage |
| Narben | Keine sichtbaren (Operation durch den Mund) |
| Schwellung | Stark in den ersten Tagen, Höhepunkt Tag 3, weitgehend abgeklungen nach 2–3 Wochen |
| Schmerzen | Meist geringer als erwartet durch vorübergehende Taubheit |
| Ernährung | Flüssig/weich für ca. 6 Wochen |
| Arbeitsunfähigkeit | 2–3 Wochen (Büro), 6–8 Wochen (körperliche Arbeit) |
| Sport | Leicht nach 4–6 Wochen, Kontaktsport nach 3–6 Monaten |
| Häufigstes Risiko | Vorübergehende Taubheit der Unterlippe (fast immer), dauerhaft bei ca. 5–9% |
| Endergebnis | Sofort sichtbar, endgültige Stabilität nach ca. 6–12 Monaten |
| Haltbarkeit | Dauerhaft (stabile Knochenheilung) |
| Kosten | Kassenleistung bei KIG 3–5 |
| Patientenzufriedenheit | Über 90% |
Die kombinierte Behandlung aus Zahnspange und Kieferoperation ist ein langwieriger Prozess, der Geduld und Disziplin erfordert. Das Aussehen verschlechtert sich vor der Operation zunächst, die Ernährung ist wochenlang eingeschränkt, und die Genesung dauert mehrere Monate. Doch für viele Betroffene stellt die Operation einen Wendepunkt dar, der nicht nur funktionelle Beschwerden behebt, sondern auch das Selbstwertgefühl nachhaltig verbessert.
Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung:
Letzte Aktualisierung am 15.01.2026.