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Wie lang ist die Heilungsdauer nach einer operativen Behandlung der Dysgnathie?

Lesezeit: 3 Min.

Die vollständige Behandlung kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen

Zahnfehlstellungen können in allen Altersgruppen auftauchen. Bezeichnet als Dysgnathie, handelt es sich bei den Fehlbissen um eine sehr große Gruppe verschiedener Befunde. Deren Behandlung erfolgt mithilfe verschiedener Maßnahmen. Eine Operation ist häufig dann notwendig, wenn der Fehlbiss auf eine skelettale Fehlentwicklung zurückzuführen ist. Die gesamte Behandlung kann sich über mehrere Jahre erstrecken.

Behandlungen einer Dysgnathie im Überblick

Die Zahnfehlstellungen sind heute in der Zahnmedizin ein Bereich, welcher in das Behandlungsfeld der Kieferorthopädie fällt. Liegen stärkere Abweichungen der Kieferknochen vor, die zu einem Fehlbiss führen, dann erfolgen Maßnahmen, die als Dento-Maxilläre Orthopädie zusammengefasst werden. Dieses Teilgebiet fokussiert sich auf die Kieferregulierung (Orthodontie).

Durch die Fehlstellungen kommt es zu Folgeerscheinungen wie:

  • Überlastungen der Zähne
  • früher Zahnverlust
  • Schmerzen in der Kiefergelenkregion
  • Beschwerden beim Kauen
  • Störungen der Kaufunktion
  • Behinderung der Atmung

Um diesen Entwicklungen vorzubeugen, ist eine frühe Behandlung mittels der Orthodontie notwendig. Benutzt werden können für die Behandlung der Fehlbisse unter anderem:

  • festsitzende und herausnehmbare Apparaturen wie Zahnspangen
  • Funktionsregler
  • Gesichtsmasken

Die operative Behandlung der Dysgnathien

Operative Maßnahmen sind nötig, wenn die orthodontischen Maßnahmen keinen entsprechenden Behandlungserfolg mehr erzielen können. In der Regel wird es sich hier um eine Kombinationstherapie handeln, da vor und nach dem Eingriff zusätzlich kieferorthopädisch behandelt werden muss. Aufgrund dieser Tatsache erstreckt sich die gesamte Behandlung über einen längeren Zeitraum und kann schnell mehr als zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Die operative Behandlung gestaltet sich allgemein wie folgt:

  • Beratung durch Kieferorthopäden und Kieferchirurgen
  • kieferorthopädische Vorbehandlung
  • Planung sowie Durchführen der Operation
  • kieferorthopädische Nachbehandlung

Heilungsdauer nach der Operation

Die reine Heilungsdauer nach dem operativen Eingriff nimmt – im Verhältnis zum gesamten Zeitrahmen der Behandlung – nur einen Bruchteil der Zeit ein. Durchgeführt wird die operative Kieferumstellung unter Vollnarkose. Patienten werden hierfür stationär aufgenommen und in den Tagen nach dem Eingriff umfassend betreut.

Die Entlassung aus der Klinik kann meist binnen vier Tagen bis fünf Tagen erfolgen (sofern sich keine Komplikationen wie Entzündungen oder Wundinfektionen ergeben). An die Entlassung wird sich ein Zeitraum von etwa zwei Wochen Arbeitsunfähigkeit anschließen. Wichtig ist es, in den ersten Wochen gewissenhaft die Kiefer mechanisch zu schonen. Um Belastungen zu reduzieren, sollte daher auf feste Nahrung eher verzichtet werden. Wie die Ernährung in der nächsten Zeit aussehen muss, darüber informiert das Krankenhaus den Patienten ausführlich.

Circa sechs Wochen nach diesem Zeitpunkt beginnt der behandelnde Kieferorthopäde mit der Feinabstimmung. Dieser Prozess nimmt häufig einen Zeitraum von sechs Monaten in Anspruch. Bis die während der Operation eingesetzten Metallplatten wieder entfernt werden können, vergehen neun Monate bis zwölf Monate.

Wie lange die Heilungsdauer nach der operativen Behandlung genau dauert, ist von Fall zu Fall verschieden. Faktoren wie die Wundheilung oder eventuell auftretende Komplikationen spielen hier genauso eine Rolle wie das Verhalten des Patienten – sprich, wie sehr sich Betroffene schonen oder sich am Ende vielleicht doch zu schnell wieder zu viel zutrauen.

Wie entstehen Dysgnathien, die unter Umständen operiert werden müssen?

Fehlbisse können hinsichtlich ihrer Entwicklung multifaktoriell beeinflusst werden. Dies bedeutet, dass nicht ein Auslöser allein für die Entstehung der Dysgnathie verantwortlich ist. Vielmehr tragen verschiedene Ursachen zum Befund bei. Ein Beispiel aus der zahnärztlichen Praxis ist die maxilläre Retrognathie.
Letztere wird auch als unechte Progenie bezeichnet. Verursacht werden kann sie durch:

  • hereditäre Faktoren (Vererbung)
  • Gaumenspalten
  • einen zu frühen Zahnverlust im Oberkiefer

Dysgnathien können aber auch durch bestimmte Verhaltensmuster beeinflusst werden. Hier wäre das Daumenlutschen ein bekanntes Beispiel. Diese Angewohnheit verändert die Stellung der Zähne, es kommt zu deren Bewegung im Zahnfach. Daher werden solche Formen der Fehlbisse auch als dentoalveoläre Fehlstellungen bezeichnet. Diese müssen meist nicht operativ behandelt werden, im Gegensatz zu skelettalen Fehlstellungen, welche durch stärkere Formabweichungen der Kieferknochen gekennzeichnet sind.

Neben den genannten Auslösern können sich Dysgnathien auch auf andere Weise – etwa im Zusammenhang mit Unfallfolgen – entwickeln.

Wie ein Fehlbiss behandelt wird, hängt letztlich vom Befund ab. Die Klassifizierung eines Fehlbisses erfolgt häufig anhand der Angle-Klassen. Maßgebend ist die Position der Sechsjahrmolaren zueinander. Hierbei handelt es sich um ein Backenzahnpaar. Im normal entwickelten Gebiss greifen die Höcker der Sechsjahrmolaren ineinander, der vordere Höcker des oberen Sechsjahrmolaren liegt zwischen den Höckern des unteren Sechsjahrmolaren. Weicht die Befundsituation hiervon ab, entsteht ein Fehlbiss.



R. Petzold Rene Petzold
Gesundheitsredakteur

aktualisiert am 23.02.2018
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