Dicke Beine

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Lissy  fragt am 18.02.2008
Hallo,

ich habe ein Problem. Ich habe praktisch Elefantenbeine (so nenne ich sie).
Ich versuche es zu beschreiben:
Meine Füße und Spruggelenke sind noch super schlank und dann wird es direkt recht dick. Die Diagnosen reichen von Lymphödem, bis einfach Wassereinlagerungen. Geht sowas denn wieder weg, auch wenn es schon über lange Zeit besteht? Kann man da was machen?

Ich mache wohl viel Sport, die Frage ist nur, bekommt man das damit in den Griff?

Vielen Dank für die Mühe

LG Lissy
Portrait Dr. med. Darius Alamouti, Privatpraxis in der Haranni-Clinic, Bochum, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Hautarzt (Facharzt für Dermatologie)
Dr. Alamouti  sagt am 18.02.2008
Das klingt nach dem Lipödem

Der Leidensdruck ist bei den Patientinnen mit dem Thema Lipödem sehr hoch, weil meistens nichts fruchtet ausser der Fettabsaugung.

Dieses Thema ist sehr komplex und erst wenn man den Fettstoffwechsel und -funktion erklärt bekommen hat, versteht man die Problematik.
Zuerst die gute Nachricht. Man kann es zufrieden stellend verbessern.
Die schlechte Nachricht. Man benötigt einen starken Willen, Zeit und leider auch ein bisschen Geld.

Frauen haben natürlicherweise in der unteren Körperhälfte mehr Fett eingelagert. Auch unter normalen Bedingungen dauert es am längsten, bis diese Fettpolster verschwinden. Beim Lipödem ist der Fettstoffwechsel durch pathologische Veränderungen erschwert, was den Fettabbau nochmals beeinträchtigt.

Was heißt Lipödem:
• Sym. Fettverteilungsstörung
• Orthostatische Ödeme
• Schmerzen
• sowie
• Besenreisernester im seitl. Bereich der Oberschenkel
• Schnelles Entstehen von blauen Flecken (Hämatom)
• Das Lipödem ist der Überbegriff der Cellulite.

Schweregrad der Erkrankung
• Stadium 1: Orangenhaut, feinknotige Hautoberfläche
• Stadium 2: Matratzenhaut, grobknotige Hautoberfläche mit größeren Dellen
• Stadium 3: Grobe, deformierende Fettlappen

Speziell bei der Cellulite wird vermutet, dass die krankhaft veränderten Blutgefäße die Durchblutung des Fettgewebes nicht mehr optimal regulieren können.
Zusätzlich haben Laborchemische Untersuchungen gezeigt:
Es wurde ein vermehrter Anfall von freien Radikalen und deren Metaboliten gefunden.
Diese sind möglicherweise mit verantwortlich für die sekundären Gewebsveränderungen.

Deshalb besteht meine Therapie aus mehreren Ansätzen:
• Kompressionstherapie
• manuelle / mechanische Lymphdrainage
• Temperaturveränderung
• Trainingstherapie
• Optimierung der Ernährung / Nahrungsergänzung
• Sympathikusaktivierung
• Medikamententherapie
• Externatherapie / Hautpflege
• (wenn Alles nichts gebracht hat) Liposuktion

Das sind alles Methoden um die hartnäckigen Fettdepots und die daraus folgende Hautveränderungen positiv zu beeinflussen. Umso mehr gleichzeitig gemacht wird umso schneller ist man am Ziel:

• Kompressionstherapie: wir wissen das spezieller Druck Fettgewebe reduzieren lässt. An den Stellen wo unsere Hosengürtel oder BH- Träger ist, haben wir eine richtige Delle. Oder? Ich stelle gerade mit der Firma Laserpoint AG ein optimales Mieder mit dem richtigen Druck her.

• Manuelle /mechanische Lymphdrainage: Wir wissen, dass langsamer Lymph- und Blutabfluss zu Fetteinlagerungen führt. Zusätzlich mit dem Wissen des Einflusses des Druckes auf das Fettgewebe: so entstand das Twinsvelte. Eine automatische Saug/Druck und Lymphdrainage, welche optimal jeden 2 Tag und bis zu 20mal durchgeführt werden sollte. Kosten / Sitzung : ca.: 80 €

• Temperaturveränderung: bei Frauen sind meistens die Problemzonen kalt (Reiterhose) und somit schlecht durchblutet und ebenfalls vom verbrennenden Stoffwechsel ausgeschlossen. Wir wissen, dass es optimale Temperaturen (ca. 35°C) gibt, wo am besten die Fettdepots vom Stoffwechsel genutzt werden. Dieses schaffe ich häufig mit Hilfe des oben erwähnten Mieders.

• Trainingstherapie: Wer drei- bis viermal wöchentlich mindest. eine gute Stunde joggt, reduziert zusätzlich das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um die Hälfte und erhöht seine Chancen, von Darm-, Prostata- oder Brustkrebs verschont zu bleiben. Wichtig ist das wissen, dass der Körper nur bei leichter Beanspruchung und erst nach 45 min. an die Fettreserven geht. Um seine eigene optimale Belastung zu erfahren, muss man den Laktatspiegel bei Dipl. Sportler /Physiotherapeuten oder Sportmediziner messen lassen. Denn das ist der Hauptfehler fast aller Pat. sie trainieren im anaeroben bereich und verbrennen kein Fett. Somit steigt der Frust, wenn nach 2 Monaten immer noch nichts passiert ist. Zusätzlich blockiert der überhöhte Laktatspiegel (Muskelkater) die Fettverbrennung. Also wenn man am nächsten Tag Muskelbeschwerden hat, hat man seine Fettverbrennung nicht optimal erreicht. Neuste Ergebnisse besagen, dass das optimale Training aus 50% Ausdauer und 50% Krafttraining bestehen sollte, weil beim reinen Ausdauertraining Muskelmasse verloren geht. Dieses ist aber für den Halteapparat der Gelenke (siehe Rückenschmerzen) und für die Fettverbrennung (Muskelmasse brauch die Fettdepots) nicht von Vorteil.

• Ernährung/Nahrungsergänzung: Unsere Gesellschaft hat sich leider das späte, aber sozial gewünschte, Abendessen (nach 19:00 Uhr) von den Mittelländlern angewöhnt. Jedoch ab 19:00 Uhr hört leider unser Darm auf zu arbeiten. Und somit ist selbst Gemüse/Obst um diese Zeit nicht von Vorteil. Ich weiß aber natürlich, dass ich Ihr Sozialverhalten kaum ändern kann. Aber vielleicht schaffen sie es an 2-3 Tagen in der Woche abends nichts zu essen. Zu ihrer Info wir Menschen können 40 Tage ohne Essen auskommen, wenn wir genug trinken (mindest. 2 Liter).

Nahrungsergänzung: Bedingt durch die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse, dass sich in den Lipödemzonen sehr viele freie Radikale bilden, welche nicht ausreichend gepuffert werden können, empfehle ich den Patienten zusätzlich:

Breites Spektrum an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und Aminosäuren (Grundnahrungsergänzungsmittel).

Insbesondere sollte eine gesteigerte Einnahme von Selen, Mangan (Kofaktor der SOD2), Magnesium, Coenzym Q10, Vitamin A, C, E beta-Karotin, Chlorophyll, Glutaminsäure, L-Cystein erfolgen.

Zusätzlich muss der Alkoholkonsum reduziert werden, sowie genügend Flüssigkeit (> 2 Liter/Tag) eingenommen werden.

Sympathikusaktivierung:
• Körperliche Aktivität
• Reizung sympathischer Nervenfasern (z.B. Duftstoffe wie z.B. die Creme von Shiseido „Body Creator“)
• Sympathikusaktivierung beim Wechsel vom Liegen zum Stand
• Psychische Faktoren
steigern den Fettabbau.

• Die Fettzellen des Bauches haben viel mehr β-Rezeptoren als der Oberschenkel und die Gesäßregion und deshalb geht der Bauch meistens schneller weg als die Oberschenkel

Medikamententherapie:
• Meidung von Herzmedikamenten:
• Speziell von β-Blocker, Kalziumantagonist
• Meidung von Antidepressiva
Ggf. als zusätzliche Maßnahme für den Anfang:
• Silbutramin (Reductil)
• Orlistat (Xenical)

Ich gebe manchmal meinen Pat. Xenical um Ihnen über die Anfangszeit hinüber zu helfen. Denn wenn es in den ersten 8 Wochen zu keiner Verbesserung kommt, geben zu viele auf. Das muss man vermeiden.

Externatherapie: Die einzigen Cremes die in meinen Augen eine Verbesserung gebracht haben sind
Sanofi Lipofactor Power Spray und Double
Shiseido “ Body Creator” (Neu) kann ich noch nicht richtig beurteilen.
Aber es müssen neue Studien folgen

Alle Cremes sind nur ein guter Partner zu den anderen Varianten. Alleine haben Sie keine zufriedene Wirkung. Gemeinsam: Mieder/ Temperatur/ Sport/ Ernährung/ Lymphdrainage sind sie hervorragend und führen schneller zum Ziel.

Das war der Grund für meine spezielle Hose, weil sie „Druck, Temperatur und Lymphdrainage zusammenfasst und somit erstmalig hilft die Fettverbrennung gerichtet angeht. [Link anzeigen]

• Liposuktion: Das hilft auf jeden Fall; jedoch ist es teuer und manche Pat. haben noch bedenken vor diesem Eingriff. Jedoch enden schlussendlich sehr viele, die die vorherige Tipps nicht einhalten konnten oder wollen bei mir um eine Liposuktion durch zuführen. Kosten für die Absaugung der Reiterhosen: ab 1800€

Ich hoffe, dass ich Ihnen weiter helfen konnte.

Falls Sie weitere Fragen haben, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen



Dr. med. Darius Alamouti
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Nadja7  sagt am 26.10.2010
Hallo lieber Herr Doktor,
Bitte können sie mir sagen ob ich nach einer Fettabsaugung Xenical verwenden darf um nicht gleich wieder zu zunehmen. Komischer Weise Wiege ich z.Z. (7 Tage nach den Eingriff) mehr als vor der OP
Vielen herzlichen Dank für all Ihre Mühe

Liebe Grüsse aus Wien
Ro-FERRARA1  sagt am 26.10.2010
Guten morgen Nadja!
Es ist nicht aussergewöhnlich, dass man nach der OP oft mehr Gewicht aufweist.
Die Gewichtszunahme kann daher kommen, dass sie noch Gewebewasser und Tumeszenslösung im OP-Gebiet haben.
Hat Ihnen Ihr PC einen Geweberoller empfohlen?
Was sollen Sie zur Zeit tun?
Ich würde erst mal das Xenical weglassen und abwarten, da die OP erst 7 Tage her ist.
Einen schönen Herbsttag wünscht
Dr. Robinson FERRARA
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