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Brust-OP - eine private und selbstbestimmte Entscheidung?

Lesezeit: 3 Min.

Interview mit Prof. Dr. med. Günter Germann, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie in Heidelberg

Brust-OP - eine private und selbstbestimmte Entscheidung?
Brust-OP - eine private und selbstbestimmte Entscheidung?
PdS: Jede Frau, die sich für eine Brustvergrößerung entscheidet, steht vor der Frage: Welches Implantat nehme ich? Was antworten Sie Ihren Patientinnen, Herr Prof. Germann?


Prof. Dr. med. Germann:
Die Entscheidung für einen bestimmten Implantattyp ist immer individuell, und hier stehe ich als Arzt beratend zur Seite. Heutzutage spielt die Größe der Brust im Gegensatz zu früher eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr kommt es nun auf die gewünschte Form der Brust an. Die Proportionen sollen mit dem gesamten Körper harmonisieren.

Generell werden heute in ganz Europa fast ausschließlich Implantate aus Silikongel genutzt. Sie sind in ihrer Form sehr variabel und fühlen sich sehr natürlich an. Auch hier wird dem Wunsch der Frauen Rechnung getragen: Neben den bekannten runden Implantaten, die primär für mehr Volumen eingesetzt werden, gibt es auch tropfenförmige Silikonkissen, die der natürlichen Form der weiblichen Brust nachempfunden sind. Immer öfter nachgefragt wird inzwischen die Brustvergrößerung mit Eigenfett, mit der wir eine halbe bis ganze Körbchengröße erreichen können. Die Vorteile sind, dass sich die Brust weich anfühlt und natürlich bewegt. Viele Frauen verbinden den Eingriff mit einer Fettabsaugung aus einer Problemzone wie etwa Bauch oder Po. Zwischen zehn und 40 Prozent des injizierten Eigenfetts können jedoch während der ersten zwölf Monate vom Körper abgebaut werden. Eine Auffrischung kann also nötig sein, um das Volumen dauerhaft zu halten. Eine weitere Methode ist die Brustvergrößerung mit Hyaluronsäure. Diese wird bei einem 30 bis 45 Minuten dauernden Eingriff in die Brust injiziert. Mithilfe der körpereigenen Substanz kann sie bis zu einer Körbchengröße erweitert werden. Hyaluronsäure wird jedoch ebenfalls nach und nach vom Körper abgebaut. Will man also das anfängliche Volumen halten, muss nach zirka einem Jahr eine Auffrischung erfolgen.

Besonders spannend finde ich persönlich die Möglichkeiten, die sich in der Zukunft möglicherweise durch die Nutzung körpereigener Stammzellen ergeben. Das ist auch einer unserer Forschungsschwerpunkte am ETHIANUM. Dabei nutzen wir ausschließlich so genannte adulte Stammzellen, die aus Fettgewebe gewonnen werden.

PdS: Was heißt das für die Zukunft?

Prof. Dr. med. Germann: Wir arbeiten an Operationstechniken, die Implantate und die Eigenfett-Trans-plantation kombinieren. Denn formstabile Implantate sichern den Langzeiterfolg einer Brustvergrößerung, während das körpereigene, mit Stammzellen angereicherte Fettgewebe ein natürliches Tastgefühl ergibt.

PdS: Brustvergrößerungen sind auch in den Medien immer wieder ein heiß diskutiertes Thema. Wie empfinden Sie die Berichterstattung?

Prof. Dr. med. Germann: Generell ist eine Brustvergrößerung eine rein private Entscheidung, gegen die nichts einzuwenden ist - solange sich die Frau der Operation umfassend bewusst ist. Als Arzt bin ich in der Pflicht, meine Patientinnen umfänglich aufzuklären und bei überhöhten Erwartungen das Bild wieder zurechtzurücken. In Bezug auf die Berichterstattung muss man sagen, dass oft zu wenig oder auch gar nicht hinterfragt wird, was die Ursachen für eine Brustvergrößerung sind. Diese können nämlich vielfältig sein. Der Entschluss für eine Operation ist nicht einfach gefällt, zumal für die meisten Frauen ihre Brüste nicht einfach nur ein Körperteil, sondern wichtiger Teil ihrer Persönlichkeit sind. Natürlich müssen kleine Brüste an sich nicht vergrößert werden.

Aber wenn sie proportional zum Körper besonders klein erscheinen oder ungleich groß sind, können sie mitunter auch zu starker seelischer Belastung führen. Ein Brustimplantat kann in einem solchen Fall die natürliche Balance zum Körper herstellen. Auch nach einer Schwangerschaft und speziell nach dem Stillen können Brüste unverhältnismäßig schlaff wirken. Das empfinden viele Frauen als sehr störend. Durch ein Brustimplantat fühlen sie sich dann in ihrem Körper wieder viel wohler.

PdS: Herr Prof. Germann, Sie sind ein scharfer Kritiker der Ärzte, die jedem Wunsch nach einer Brustvergrößerung folgen. An welchem Punkt würden Sie eine Operation nicht durchführen?

Prof. Dr. med. Germann: Für mich gibt es mehrere Gründe, eine Brustvergrößerung aber auch andere Eingriffe abzulehnen. Zum einen, wenn eine Frau überhöhte Vorstellungen hat und sie zum Beispiel einem unrealistischen Schönheitsziel nacheifert. Ein weiterer Grund kann sein, wenn ich psychische Probleme feststelle, die eine Brustvergrößerung nicht lösen würden. Und selbstverständlich operiere ich nicht, falls für die Patientin eine Gefahr besteht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn medizinische Gründe dagegensprechen oder das gewünschte Implantat zu groß für den Körper wäre.

PdS: Nicht immer scheinen Ihre Kollegen dies ebenso zu sehen.

Prof. Dr. med. Germann: Das stimmt, daher kommt ja auch der oft schlechte Ruf der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie. Wenn ich mir manche Kollegen und die Operationsergebnisse ansehe, kann ich das sogar nachvollziehen. Ich habe bereits viele Patienten behandelt, die sich einer ästhetischen Operation unterzogen haben, die im Ergebnis nicht zufriedenstellend war und die korrigiert werden musste. Mich macht das ärgerlich, denn wir Ärzte müssen gerade auch in der ästhetischen Chirurgie die höchsten ethischen Maßstäbe ansetzen, die Motivation der Patienten erfragen und die Ziele eines Eingriffs gemeinsam prüfen. Deshalb ist ein intensives Beratungsgespräch auf Augenhöhe für mich die Grundlage für einen operativen Eingriff.

Mehr Informationen erhalten Sie unter:
http://ethianum-klinik-heidelberg.de


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