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Auf der Suche nach der Schönheit - Ein Abend in der Oper

Lesezeit: 4 Min.

Was ist schön?

Was ist schön? Eines der am meisten gebrauchten Adjektive im deutschen Sprachgebrauch ist auf den ersten Blick eine alles und nichtssagende Worthülse, die wir bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit verwenden, um etwas zu bezeichnen, das unsere Wertschätzung findet und das uns begehrenswert scheint. Das Schönheitsideal hat also etwas mit dem persönlichen Geschmack des Einzelnen zu tun und ist dabei höchst variabel. Durch die Jahrhunderte hinweg hat sich dieses Idealbild schon mehrfach grundlegend gewandelt und man ist nur allzu leicht geneigt eine Diskussion über Schönheit mit den Worten über Geschmack lässt sich nicht streiten abzuwürgen. Eine bequeme Ausrede, aber es lässt sich doch einiges über den Begriff Schönheit herausfinden, das allgemein gültig ist. Was ist Schönheit? Wie ihr auf die Spur kommen? Mit schlauen Büchern, im Internet?

Ein Besuch in der Oper brachte mir erstaunlich viele Erkenntnisse zu diesem unerschöpflichen Thema. Mit mir im Versuchslabor von Venus und Aphrodite: an die 1200 Zuschauer die auf die ein oder andere Weise meine musikalische Passion teilten.

Auf dem Programm stand Tosca von Giacomo Puccini. Zwei Männer, ein Künstler und ein Beamter (Polizeichef) in politisch unruhigen Zeiten begehren eine attraktive Frau (Sängerin) und nach verschiedenen Irrungen und Wirrungen sind alle Protagonisten tot. Eine Daily-Soap könnte nicht trivialer sein, und unter normalen Umständen wäre dieses Stück schon längst in der Versenkung verschwunden, wäre da nicht diese berauschende, leidenschaftliche Musik. Dieser Verismo-Klassiker hat auch nach den über hundert Jahren seiner Uraufführung nichts von seiner Popularität eingebüßt. Am schönsten wird eben noch immer zu den Kantilenen von Verdi, Puccini und Co gestorben... Schönheit ist unvergänglich.

Schönheit hat nicht selten etwas mit Begehrlichkeit und Sehnsucht zu tun. Dieses besitzen wollen, spiegelt sich auch in meiner CD-Sammlung wider. Nicht weniger als sechs mal steht Tosca dort im Regal. Egal ob Callas, Tebaldi oder Georghiou, auf Knopfdruck sind mir diese Diven des Belcanto jederzeit Willen und meinem Wunsch nach schönem, ausdruckstarken Gesang kann jeder Zeit entsprochen werden. Dieser permanenten Verfügbarkeit haftet jedoch auch etwas beliebiges an, was den Reiz erheblich mindert. Also gehe ich ins Theater um das wahre schöne Gute zu erleben. Der Augenblick ist wichtig, das Spontane und nicht wiederholbare...Schönheit ist einzigartig, und vor allem vergänglich.

Das Opernhaus war, wie nicht anders zu erwarten gut gefüllt und Damen wie Herren hatten sich herausgeputzt für dieses besondere Ereignis. War der erste Akt noch von einer überwiegend heiteren Atmosphäre bestimmt, bot sich während des zweiten Aktes ein völlig anderes Bild. Die Sängerin Tosca will ihren Geliebten Cavaradossi aus den Fängen des römischen Polizeichefs Scarpia befreien und ist bereit dafür alles zu tun. In Mitten dieser Orgie aus Folter und Tod ereignet sich ein unglaublicher Moment. Tosca singt ihre Arie Vissi darte. Eine Insel der Harmonie und des Schöngesangs im tosenden Meer der Leidenschaft. Die Zeit scheint für einen kurzen Augenblick stehen zu bleiben und der Applaus für die Sopranistin fällt nicht weniger leidenschaftlich aus, als das zu vor gehörte... Schönheit ist zeitlos.

Vissi darte, vissi damore Die wörtliche Übersetzung ins deutsche bedeutet ich lebte für die Kunst, für die Liebe. Würde man versuchen, diesen deutschen Text auf Puccinis Musik zu singen, man würde sehr schnell in Atemnot verfallen und einen Knoten in der Zunge haben. Der deutsche Sprachrhythmus will einfach nicht zur italienischen Musik passen. Wird Tosca auf deutsch aufgeführt, so heißt es an dieser Stelle Nur der Schönheit weiht ich mein Leben. Der Übersetzer veränderte zwar die Aussage, aber dafür blieb die einzigartige Poesie dieser Passage erhalten....Schönheit darf sinnlos sein, benötigt aber Rhythmus und Gefühl

Soviel Belcanto und Leidenschaft macht durstig und die enge Bestuhlung im Zuschauersaal verlangt nach Bewegung. Und schließlich hat man sich in Schale geworfen, aufgestylt und hübsch gemacht. Die Inszenierung auf der Bühne findet ihre Entsprechung beim Pausentalk und dem Flanieren durch die Wandelhallen des Musentempels. Und wieder teilen sich die Anwesenden in Akteure und Zuschauer. Als aufmerksamer Beobachter genieße ich diese Ansammlung von geballter Weiblichkeit. Es scheint ein Querschnitt durch die Geschichte der Schönheitsideale zu sein. Es ist wirklich alles vertreten: die Venus von Willendorf ebenso wie die von Botticelli, Kranach, Tizian, oder Rubens. Mal üppig, mal schlank, mal Audrey Hepburn mal Marilyn Monroe. Doch meistens in männlicher Begleitung. Die Herren der Schöpfung sind äußerlich dabei zwischen Bratt Pitt und Luciano Pavarotti angesiedelt und geben mit ihren immergleichen Anzügen, die sich in einigen wenigen Farbnuancen von einander unterscheiden, den perfekten Rahmen für ihre bessere Hälfte ab....Schönheit muss inszeniert werden und bedarf eines Kontrastmittels.

Letzter Akt. Das Orchester braust mit Fortissimo dem letalen Ende entgegen, Tosca stürzt sich in den Tod, alle drei Hauptdarsteller haben den Abend nicht überlebt, der Vorhang fällt, Applaus, Bravo, Bravi, Bravissimo, schön war es mal wieder. Die Sänger und der Dirigent nehmen ihre Ovationen entgegen. Es war ein schöner Abend und eine gute Entscheidung nicht ins Kino, sondern in die Oper zu gehen. Erst zur Garderobe, dann in den Künstlerkeller und bei einem Glas Rotwein das Gesamtkunstwerk noch ein wenig nachklingen lassen. Der Schönheit bin ich an diesem Abend in vielfältiger Weise begegnet: in Puccinis Musik, im Gesang der Solisten im extravagantem Publikum.

Die Schönheit, weibliches Substantiv, eine Göttin mit vielen Gesichtern, mal verborgen und mal auffällig, immer sinnlich und begehrenswert, tiefgründig und nie langweilig. Für zweieinhalbe Stunden war die Illusionsmaschinerie der Oper mit alle ihren Begleiterscheinungen eine facettenreiche Antwort auf die Suche nach dem Begriff der Schönheit. Ergründet habe ich sie nicht, Gott sei dank nicht. Aber intensiv erlebt habe ich sie und mit allen Sinnen genossen.

Vielleicht hat Erich Kästner das Wesen der Schönheit am pointiertesten getroffen:

"Schön ist, was man mit Liebe betrachtet"

von André Winkel  



Letzte Aktualisierung am 29.07.2015.
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