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Haartransplantation

Lesezeit: 5 Min.

Täglich verliert der Mensch Haare - bei stärkerem Haarausfall kommt es zum sichtbaren Haarverlust

Was sind die Ursachen von Haarverlust?

Ca. 15 Millionen Deutsche neigen zur Glatzenbildung. Zu 90 Prozent ist der Haarverlust genetisch bedingt und zeigt sich als Alopecia androgenetica. Er beginnt schon in jungen Jahren (zwischen dem 17. und 30. Lebensjahr) und zeigt sich am Anfang durch Geheimratsecken und in der Tonsur am Hinterkopf.

Wir besitzen ca. 100.000 bis 150.000 Haare. Ein Haar wächst etwa 1 Millimeter in drei Tagen. Haarausfall wird sichtbar, wenn der Mensch mehr als 50 bis 100 Haare am Tag verliert. Ein gewisser Verlust an Haaren ist aber normal.

Neben der Alopecia androgenetica gibt es auch andere Ursachen, die zum Haarverlust führen. Häufig können diese behandelt werden. Die erste Anlaufstelle für Patienten mit Haarverlust sind Dermatologen (Hautärzte). Zunächst ist es wichtig, die Ursache des Haarverlustes herauszufinden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Industrie forscht wie auch in der Vergangenheit nach einem Haarmittel, das den Haarverlust stoppt. Ein Wundermittel wurde noch nicht gefunden, aber es gibt schon Präparate, die in Studien eine Wirksamkeit zeigen konnten. Darunter gehören Porpecia (Wirkstoff Finasterid) und Regaine 5 Prozent (Wirkstoff Minoxidil). Diese Behandlung wird in der Regel nicht durch die Krankenkasse erstattet.

Der Haarverlust kann schnell und effektiv mit Perücken oder Haarteilen (Toupets) bekämpft werden. In der Vergangenheit gab es weitere Versuche einen Haarverlust zu bekämpfen, z.B. durch das Einpflanzen fremder Haare. Diese Methode ist nicht geeignet, da die fremden Haare vom Körper sehr häufig abgestoßen werden und Narben hinterlassen. Auch die Anwendung von Kunsthaaren führt zu unbefriedigenden, teilweise katastrophalen Ergebnissen. 10 Prozent der eingepflanzten Kunsthaare brechen innerhalb von einen Jahr ab und müssen ersetzt werden. Nicht selten kommt es auch zu Abstoßungsreaktionen und Infektionen.

Die Haartransplantation bleibt die Methode der Wahl. Neben ihr kommen auch andere operative Methoden in Betracht:

  • Hautverschiebungen (Reduktion)
  • Verpflanzung haartragender Hautlappen

Die Haartransplantation gilt derzeit als die risikoärmste operative Methode des Haarersatzes. Voraussetzung ist ein gesunder Haarkranz. Bei der Haartransplantation werden von der einen Stelle des Kopfes Haare entnommen und an eine andere Stelle verpflanzt. Dadurch kann der genetisch bedingte Haarausfall nicht gestoppt werden. Diese Operationsmethode dient lediglich der Umverteilung bestehender Haare.

Zur Zeit werden gleichberechtigt nebeneinander zwei verschiedene Techniken als fortschrittlichste Technik der Haarverpflanzung angesehen:

  1. Die Streifen ("Strip")-Methode
  2. Die FUE (Follicular Unit Extraction)-Methode

Haartransplantation: Die Streifen-Methode

Bei der Streifen-Methode erfolgt zunächst die Entnahme eines sog. Spenderhaarstreifens aus noch behaarten Bereichen bei örtlicher Betäubung. Oft wird der Spenderhaarstreifen am Hinterkopf unter der Verbindungslinie zwischen den beiden Ohren entnommen. Diese Haare wachsen am sichersten bis ins hohe Alter, weil sie entsprechende genetische Information dafür besitzen. Man spricht auch von der Spenderdominanz. Aus dem Spenderhaarstreifen werden dann die Implantate gewonnen.

Bei einer älteren Methode wurden hierbei noch sog. Punch-Grafts entnommen. Diese Punch-Grafts werden mit einem runden, zylindrischen Hohlmesser entnommen und können bei der Entnahme einen Durchmesser von 4-5 Millimeter haben. An der Empfängerstelle werden etwas kleinere Löcher vorbereitet (mit speziellem Skalpell, Bohrer oder Laser), in die die Punch-Grafts wieder eingesetzt werden.

Der Nachteil besteht darin, dass die transplantierten Haarinseln ein "büschelförmiges" Haarwachstum zeigen, mit dem ein normaler Stirnhaaransatz nur schwierig dargestellt werden kann.Fortschrittlicher ist die Methode, aus dem Spenderhaarstreifen jeweils viel kleinere Implantate mit nur 3-5 Haarwurzeln (sog. Mini-Grafts) und solche mit 1-2 Haarwurzeln zu präparieren (Mikro-Grafts). Am natürlichsten ist die Methode, bei der aus dem Spenderhaarstreifen sogenannte "follicular units" herauspräpariert werden.

Dies sind winzige Haargruppen von 1-4 Haaren. Diese Methode ist kosmetisch von Vorteil, weil sie die natürlich vorgegebene Anordnung der Haare auf der Kopfhaut berücksichtigt, die dort eben in diesen sogenannten "follicular units" angeordnet sind. Die gewonnenen Grafts (ob nun Mini-, Mikrografts oder follicular units) werden schließlich mithilfe einer feinen Nadel in sehr kleinen Abständen in die Empfängerzone eingepflanzt. Mini-, Mikrografts und besonders follicular units haben gegenüber Punch-Grafts den Vorteil, dass ein natürlicher Haaransatz im Stirnbereich erzeugt werden kann.

Was passiert bei der Streifen-Operation?

Die Operation findet in Lokalanästhesie statt und wird in aller Regel ambulant durchgeführt. Die Spenderregion wird mit Kochsalzlösung und Anästhetikum unterspritzt. Die Empfängerstelle wird vor der Operation rasiert. Anschließend werden Transplantate gewonnen und in die entsprechende Stelle eingebracht. Diese Prozedur ist aufwendig und verlangt viel Geduld. Ein geübtes Team schafft etwa 1000 Grafts in drei Stunden. Nach Abschluss der Haartransplantation wird ein leichter Druckverband angelegt.

Welche Komplikationen können durch diese Streifen-Operation auftreten?

Keine Operation ist ohne Risiko. Auch bei größter Sorgfalt können während oder nach dem Eingriff Komplikationen auftreten. Diese Operationsmethode ist insgesamt relativ risikoarm.

Während und nach der Haartransplantation kann es zu folgenden Komplikationen kommen:

  • Leichte Blutungen, die in der Regel sofort gestillt werden können.

  • Verletzungen von Nerven und Blutgefäßen sind selten. Als Folge können vorübergehend Gefühlsstörungen bzw. Durchblutungsstörungen auftreten.

  • Überempfindlichkeitsreaktionen auf das örtliche Betäubungsmittel sind sehr selten. In extrem seltenen Fällen kann es zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen.

  • Haut- und Weichteilschäden: Durch elektrochirurgische Instrumente kann es zu Schädigungen kommen.

  • Selten sind Nachblutungen und Blutergüsse nach der Operation. Noch seltener muss ein zweiter Eingriff zur Blutstillung durchgeführt werden.

  • Im Operationsbereich kann es zu Infektionen und dadurch zu einer verzögerten Wundheilung kommen. Als Folge kann ein Teil der Implantate absterben.

  • Transplantation führt nicht zum Erfolg: Die Implantate sterben ab und fallen aus. Das kommt vor, wenn das Empfängergebiet prinzipiell kein Haarwachstum mehr zulässt (z.B. bei Erkrankung).

  • Schmerzen und Spannungszustände kommen vor. Können aber gut behandelt werden.

  • Narben: Bei entsprechender Veranlagung können wulstige Narben (Keloid) auftreten. Manchmal wird eine Nachkorrektur notwendig.

Haartransplantation: Die FUE-Methode

Bei der FUE (Follicular Unit Extraction)-Methode wird kein Spenderhaarstreifen vom Hinterkopf weggeschnitten. Die Grafts werden hier gewonnen, indem diese mit äußerst feinen Hohlnadeln (etwa 0,7-1,0 mm Durchmesser) jeweils einzeln aus der Spenderzone am Hinterkopf herausgestochen werden. "Follicular Unit Extraction" bedeutet, daß beim Herausstechen der Grafts auf die natürlichen Haargrüppchen ("follicular units") der Kopfhaut geachtet wird und diese nicht zerteilt werden. Diese Units haben 1- 4 Haare.

Man entnimmt immer nur soviele Grafts, daß die übriggebliebenen Grafts noch genügend optische Haardichte am Hinterkopf gewährleisten. Die Einsetzung der Grafts in der Empfängerzone geschieht dann ebenso wie bei der Streifen-Methode.

Aus diesen Besonderheiten der FUE-Methode ergeben sich die folgenden weiteren Unterschiede zu der Streifenmethode:

  • es entsteht keine lange Narbe am Hinterkopf
  • stattdessen werden in der Spenderzone zahlreiche feinste helle Pünktchen hinterlassen. Daher wird die FUE-Methode auch oft als "praktisch narbenfrei" oder "narbenarm" beschrieben.

Welche Komplikationen können durch die FUE-Operation auftreten?

Die Komplikationen ähneln denen der Streifen-Methode (siehe oben). Verletzungen von Nerven und Blutgefäßen sowie überschießende Narbenbildung sind verständlicherweise seltener, da kein langer Hautstreifen herausgeschnitten wir.

Gibt es bei der FUE-Methode Unterschiede im ästhetischen Ergebnis zur Streifen-Methode?

Nein, die beiden Techniken sind zwar verschieden, aber die Streifen- Methode (sofern sie mit follicular units durchgeführt wird) und die FUE- Methode erbringen in der Empfängerzone ein gleichgutes ästhetisches Ergebnis.

Worauf muss ich nach einer Haartransplantation achten?

Die transplantierte Fläche sieht zunächst wie ein Kopfsteinpflaster aus. In den folgenden 3 Monaten fallen fast alle transplantierten Haare aus. Anschließend normalisiert sich der Haarwuchs. Bei sorgfältigem Operieren wachsen ca. 80 bis 98 Prozent der transplantierten Haare an. Man sollte mindestens 4 Monate bis zur nächsten Haartransplantation warten. Anschließend können verbliebene Lücken gefüllt werden.

  • Nach einer lokalen Betäubung sollten Sie nicht am Straßenverkehr teilnehmen, um andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden.
  • Nehmen Sie sich die nötige Zeit, um sich von der Behandlung zu erholen. Sie sollten etwa 72 Stunden zur Genesung nach dem Eingriff planen.
  • Der Verband wird nach ca. 3-4 Tagen abgenommen und der Kopf kann mit einer antiseptischen Seife gewaschen werden.
  • Eine Woche nach der Behandlung dürfen Sie vorsichtig duschen.
  • Vermeiden Sie in den ersten drei Wochen nach der Behandlung sportliche Betätigung, sportliche Anstrengung und direkte Sonneneinstrahlung.

Was kostet eine Haartransplantation?

Die Preise für eine Haartransplantation sind unterschiedlich. Heutzutage wird meistens pro Graft abgerechnet. Die Preise liegen etwa zwischen 3-8 Euro pro Graft. Man kann nicht generell sagen, welche Methode (Streifenmethode oder FUE-Methode) die teurere ist. Das ist von Anbieter zu Anbieter sehr verschieden. Verpflanzt werden meistens zwischen 500 und 3000 Grafts. Eine Behandlung mit z.B. 1000 Grafts kostet daher je nach Anbieter von 3000 bis 8000 Euro.

Wie sind die Erfolgsaussichten einer Haartransplantation?

In den Händen erfahrener Spezialisten sind die Erfolgsaussichten einer Haartransplantation sehr gut. Das Risiko dagegen gering. Eine realistische Erwartung bewahrt Sie vor Enttäuschungen.



Letzte Aktualisierung am 09.05.2016.
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Haartransplantation

 
augenbraun   4 Antworten   Letzte Antwort
sagt Ilaysa88   vor 5 Monate  880

Sehr geehrter Herr Dr. Neidel,

können Sie mir einen guten Kollegen in Stuttgart (und 200 km Umkreis) empfehlen, von dem Sie möglicherweise selbst ... mehr

Portrait Dr. Andreas M. Finner, Trichomed® Praxis für Dermatologie, Ästhetik, Haarmedizin und Haartransplantation, Klinik am Wittenbergplatz, Berlin, Hautarzt (Facharzt für Dermatologie)
sagt Dr. Finner   vor 6 Monate  4702

Guten Tag,
dann hilft nur Zupfen/Weglasern und eine erneute Augenbrauentransplantation im flachen Austrittswinkel.
MFG, Dr. ... mehr

 
sagt Nadineee28   vor ~ 1 Jahr  1832

Hallo Shyu ,

Mein Freund hat vor einer Weile eine Haatransplantation in Istanbul, der hatte ebenfalls eine riesige narbe an der kein Haar wuchs. ... mehr

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15 Fragen zu Haartransplantation
Schönheitschirurg für Haartransplantation
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Alle anzeigen Zufall
Kurzbeschreibung Haartransplantation

Vor der Haartransplantation:
Kopf sorgfältig waschen, 14 Tage vorher kein Aspirin zu sich nehmen.

Nach der Haartransplantation:
72 Stunden lang keine große Anstrengung. Ungefähr 2 Wochen lang kein Sport.

Kosten:
Je nach Größe der Region: 4.000 € - 10.000

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