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Schönheit im Wandel der Zeit

Zu keiner Zeit hatte die Perfektion des äußeren Erscheinungsbildes einen so hohen Stellenwert wie in der Gegenwart.

Zu keiner Zeit hatte die Perfektion des äußeren Erscheinungsbildes einen so hohen Stellenwert wie in der Gegenwart. Der eigene Körper spielt im Selbstwertgefühl der Menschen eine große Rolle. Innere Werte stehen  nicht selten erst an zweiter Stelle.

Der Begriff Schönheit ist relativ und subjektiv. Schönheitsideale gab es schon immer. Sie haben sich aber im Laufe der Zeit stark verändert und werden das auch zukünftig tun. In der römisch-griechischen Antike war eine markante Nase der Inbegriff männlicher Anmut. Heute geht man damit zum Schönheitschirurgen und lässt sich ein "Stupsnäschen" formen.

Wie sich Schönheitsideale wandeln, dokumentieren Kunstwerke vergangener Zeit. So z. B. die Venus von Willendorf, ein Relikt der jüngeren Altsteinzeit. Ihre Formen sind üppig, die Brüste hängen, Bauch und Hinterteil sind rund und dick. In unserer heutigen Zeit hätte die gute Venus mit Ihrem Übergewicht zu kämpfen. Der viel zu große Busen verursacht Rückenschmerzen. Was liegt näher als eine Brustverkleinerung? Ein ordentliches Ernährungs- und Fitnessprogramm hätte Sie für eine mögliche Fettabsaugung vorbereitet. Auch eine Bauchdeckenstraffung wäre von Nöten gewesen. Die arme Venus hätte sich vielleicht dann etwas wohler in ihrer Haut gefühlt. Aber lassen wir sie lieber in der Zeit, in die sie gehört.

Die Antike war geprägt durch das Streben nach körperlicher und geistiger Harmonie. Wohlgeformte und ausgewogene Proportionen drückten „Ästhetische Vollkommenheit“ aus. In unserer Zeit wären die molligen Damen der Antike ebenfalls ein Fall für die Schönheitschirurgie.

Im Mittelalter hatte der christliche Glaube zentrale Bedeutung. Körperlichkeit war verpönt.

Anders in der Renaissance. Die Darstellung unverhüllter Körper war wieder erlaubt. Arme und Beine sollten möglichst grazil sein. Bauch, Gesäß und Taille durften hingegen Rundungen aufweisen. Eine porzellanfarbene Hautfarbe war Ausdruck besonderer Anmut. Menschen mit dunklerem Teint konnten sich einer Paste bedienen, um eine hellere Hautfarbe zu erzielen.

Im Barock dagegen wurde auf eine wohlgenährte, korpulente Figur Wert gelegt. Sie war Ausdruck einer genussbetonten und ausschweifenden Lebensart.
 
Das Viktorianische Zeitalter war die Zeit derWespentaille, die durch ein Korsett künstlich erzeugt wurde. Die schmale Taille in Kombination mit einem sonst üppigen weiblichen Körper galt als Inbegriff von Sinnlichkeit.

Das 20. Jahrhundert war die Zeit der Frauenemanzipation. Dabei pendelte das Schönheitsideal zwischen schlank und mollig. In Zeiten der Not waren mollige Frauen stärker gefragt. Doch gerade in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden dünne Frauen, die zum Teil eine androgene Figur hatten, begehrenswert. Zunehmend müssen sich auch Männer dem Schönheitsideal der heutigen Zeit anpassen. Ein durchtrainierter und gepflegter Körper liegt im Trend der Zeit.

Doch Schönheitsideale wandeln sich nicht nur im Lauf der Zeit. Sie sind auch regional und kulturell unterschiedlich. Bis zur Jahrhundertwende (19./20.) galten in China extrem kleine Füße als Sinnbild der Weiblichkeit. Dies führte dazu, dass kleinen Mädchen die Füße eingeschnürt wurden, um das Wachstum zu verhindern.

Wie unterschiedlich Wahrnehmung ist, lässt sich am Beispiel eines Stammes in Peru zeigen. Im peruanischen Manu-Park gibt es etwa 300 Matsigenka, die ohne Radio und Fernseher, abgeschieden von der zivilisierten Welt  leben. Der Anthropologe Glenn Shepard und der Biologe Douglas Yu erlernten die Sprache der Matsigenka, um mit ihnen in Kontakt zu treten. Sie baten den Häuptling und dessen Stamm, an einer Umfrage teilzunehmen. Die Matsigenka-Männer sollten entscheiden, welche der Frauen auf den mitgebrachten Bildern attraktiv aussahen. Die Forscher wollten erkunden, ob für die Matsigenka-Männer ähnliche Schönheitsideale wie bei uns existieren. Kann man weibliche Schönheit messen? Ja, man kann. Durch die WHR („Waist-to-Hip-Ratio“). Die WHR spiegelt das Verhältnis von Taille und Hüfte. Dividiert man Taillenweite durch Hüftumfang erhält man einen Wert. Ein optimaler Wert für die weibliche Form ist 0,7 und kleiner. Nicht so bei den Matsigenka-Männern. Alle fanden übergewichtige Frauen attraktiv. Die dünnen Frauen, mit idealer WHR, erzeugten bei den Matsigenka-Männern Mitleid: „Die hat bestimmt Fieber und Durchfall ,sonst wäre sie nicht so mager.“ So ist das mit  unterschiedlichen Wahrnehmungen.

Bleibt festzuhalten: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Nicht zuletzt deshalb verzichten seriöse Chirurgen darauf, von einer Schönheitsoperation zu sprechen. 



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